Brassen gründelt mit ausgefahrenem Rüsselmaul im weichen Grund AI
Fischart

Brassen: Fisch-Steckbrief und Unterschied zur Güster

Brassen, Brachse und Blei sind derselbe Fisch, und er ist in vielen Seen der mit Abstand häufigste große. Ein ziehender Schwarm hinterlässt Schlammwolken und Blasenketten, die vom Ufer aus zu sehen sind. Verwechselt wird er regelmäßig mit der Güster, dabei genügt ein Blick aufs Auge.

Kurz gesagt

  • Der Brassen (Abramis brama) ist hochrückig, seitlich stark abgeflacht und trägt eine sehr lange Afterflosse sowie ein vorstülpbares Rüsselmaul.
  • Brassen, Brachse und Blei sind regionale Namen für denselben Fisch.
  • Von der Güster trennt ihn das Auge: sein Durchmesser ist kleiner als der Abstand zur Schnauzenspitze, bei der Güster etwa gleich groß.
  • Nur ein einziges Bundesland führt ihn überhaupt auf, und selbst dort ohne Schonzeit und ohne Mindestmaß.
  • Ein gründelnder Schwarm setzt Gasblasen aus dem Sediment frei. Diese wandernde Blasenspur zeigt Richtung und Tempo der Gruppe an.
Brassen angeln: Köder, Hebebiss, Nacht und Recht Der Brassen ist der häufigste große Fisch unserer Seen, Flüsse und Kanäle, und er …

Hochrückig, schmal und mit einem Rüssel

Ein ausgewachsener Brassen ist hochrückig und seitlich so stark abgeflacht, dass er von vorn kaum zu sehen ist. Sein Rücken ist dunkel bronzefarben bis fast schwarz, die Flanken heller, und der ganze Fisch ist von einer dicken Schleimschicht überzogen.

Brassen erkennen

5 Merkmale

Den Umriss eines Brassen verwechselt kaum jemand, die Güster dagegen schon. Vier der fünf Punkte unten trennen ihn auch von ihr, das Auge liefert die Checkliste weiter unten nach.

1 2 3 4 5
  1. Unterständiges Rüsselmaul

    Das Maul sitzt an der Unterseite und lässt sich zu einem Rüssel vorstülpen. Damit saugt er Mückenlarven, Würmer und kleine Muscheln aus dem Weichgrund.

  2. Hoher, steiler Rücken

    Der Körper steigt hinter dem Kopf steil an, und die kurze Rückenflosse sitzt auf dem höchsten Punkt. Von vorn gesehen ist der Fisch kaum breiter als eine Hand.

  3. Lange, spitze Brustflosse

    Angelegt reicht sie bis an den Ansatz der Bauchflossen. Bei der Güster bleibt sie kürzer, und ihr Ansatz schimmert rötlich.

  4. Bronzefarbene, schleimige Flanke

    Alte Fische sind dunkel bronzefarben, junge silbrig, und beide sind stark schleimig. Ohne nasse Hände oder Matte bleibt die Schicht am Angler hängen.

  5. Sehr lange Afterflosse

    Sie zieht sich über ein gutes Drittel der Unterseite und ist länger als bei jeder ähnlichen Art. Mit dem hohen Rücken zusammen ergibt das den unverwechselbaren Umriss.

Nicht verwechseln mit

3 Arten

Verwechselt wird diese Art vor allem mit den folgenden. Unter jedem Umriss steht, woran der Unterschied hängt.

Steckbrief Brassen

Wissenschaftlicher Name
Abramis brama
Familie
Karpfenfische (Cyprinidae) Dieselbe Familie wie Rotauge, Schleie und Karpfen
Weitere Namen
Brachse, Blei, Bleie
Maximale Länge
etwa 80 cm Ein Fisch über 60 cm ist bereits bemerkenswert
Körperform
hochrückig, stark abgeflacht Von vorn betrachtet fast messerschmal
Maul
unterständig, vorstülpbar Ein Rüssel zum Absaugen von Nahrung aus dem Weichgrund
Alle 15 Angaben
Afterflosse
sehr lang Deutlich länger als bei allen ähnlichen Arten
Laichzeit
April bis Juni Ab etwa 15 Grad, lautstark an flachen, verkrauteten Ufern
Verhalten
Schwarmfisch Zieht in festen Bahnen und gründelt dabei
Maximales Gewicht
rund 9 kg Ein 60er Fisch wiegt 3 bis 4 kg, in Schwärmen dominieren 1 bis 2 kg
Geschlechtsreife
Männchen mit 3, Weibchen mit 4 Jahren Ab etwa 25 cm, in warmen Gewässern früher
Alter
über 20 Jahre Wächst in nährstoffarmen Seen sehr langsam
Nahrung
Mückenlarven, Würmer, Muscheln Aus dem Weichgrund gesaugt, junge Fische fressen Zooplankton
Lebensraum
nährstoffreiche Seen und langsame Flüsse Braucht Weichgrund, deshalb fehlt er in kiesigen Oberläufen
Hauptsaison
Mai bis September

Das auffälligste Werkzeug sitzt vorn. Das Maul lässt sich zu einem Rüssel vorstülpen, mit dem er Nahrung aus dem Weichgrund saugt. Junge Brassen sind dabei silbrig und werden erst mit dem Alter dunkel, was zusätzlich zu Verwechslungen führt.

Wie ein Schwarm sich verrät

Brassen ziehen in festen Bahnen über den Grund und suchen dabei den Weichboden nach Mückenlarven, Würmern und Muscheln ab. Das bleibt nicht unbemerkt.

Mehrere große Brassen stehen dicht über schlammigem Grund in einem flachen See und wühlen Sediment auf

Ein Schwarm über dem Weichgrund

Ein Brassenschwarm bewegt sich nicht zufällig. Er zieht in festen Bahnen über den Weichgrund, das Rüsselmaul im Sediment, und arbeitet dabei eine Spur ab.

Was er hinterlässt, ist von oben zu sehen: aufgewühlter Schlamm und aufsteigende Blasen. Wer diese Spur findet, findet den Schwarm, und wer den Köder davor legt statt hinein, hat die besseren Karten.

Sie ziehen in fester Bahn und arbeiten dabei den Grund ab. AI-Bild

Wo Brassen steht

3 Ansichten

Stillwasser: Baggersee, Weiher, Talsperre

Scharkante 1 Freies Wasser 2 Schilfgürtel 3 Zufluss 4 Untiefe im Freiwasser 5
  1. Scharkante

    Entlang der ersten Kante hinter dem Flachwasser zieht der Schwarm seine Runden. Diese Tiefenlinie ist seine Straße, nicht sein Ziel.

  2. Freies Wasser

    Über weiten Schlammflächen im Freiwasser sitzt das Futter, das er sucht. Ohne Markierung findest du dieselbe Stelle am nächsten Tag nicht wieder.

  3. Schilfgürtel

    Vor dem Schilf steht weicher Grund in erreichbarer Tiefe. Im Mai kommen die Schwärme zum Laichen bis in kniehohes Wasser.

  4. Zufluss

    Ein Zulauf trägt Feinsediment ein und sammelt es davor. Genau in diesem Fächer steht die Nahrung, die er aus dem Boden holt.

  5. Untiefe im Freiwasser

    Eine flache Kuppe im Freiwasser trägt oft Muschelbänke. Der Zug macht dort Halt, statt nur vorbeizuziehen.

Gewässertyp im Lexikon: See Baggersee Weiher

Auch auf der Karte, hier aber zweite Wahl: Totholz, Seerosenfeld, Krautfeld, Steg.

Ein gründelnder Schwarm hebt Schlamm auf und setzt eingeschlossene Gasblasen frei, die als Kette an die Oberfläche steigen. Diese Spur wandert, und daraus lassen sich Richtung und Geschwindigkeit ablesen. Wer den Köder vor den Schwarm legt statt hinein, hat die deutlich besseren Karten.

Feine Blasenketten und eine Trübungsfahne auf einem stillen See am frühen Morgen

Eine Blasenspur ist eine Wegbeschreibung

Was hier aufsteigt, ist kein Atem, sondern Faulgas aus dem Sediment, das der Rüssel beim Saugen freilegt. Die Blasen sind deshalb fein und kommen in Serien, statt einzeln und träge.

Von aufsteigendem Sumpfgas unterscheidet sie nur die Bewegung. Gas aus dem Boden kommt immer an derselben Stelle hoch, ein fressender Schwarm setzt seine Ketten jedes Mal ein Stück weiter.

Aufsteigende Gasblasen über weichem Grund, dazu die Schlammwolke. AI-Bild

Ein Blick aufs Auge entscheidet

Die Güster sieht dem Brassen zum Verwechseln ähnlich, bleibt aber deutlich kleiner und unterscheidet sich in zwei Merkmalen zuverlässig.

Brassen oder Güster?

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Das Auge ist dabei das sicherste. Beim Brassen wirkt es im Verhältnis zum Kopf klein, bei der Güster groß, und der Vergleich mit dem Abstand zur Schnauze funktioniert bei jedem Fisch unabhängig von der Größe. Wer beide einmal nebeneinander gesehen hat, verwechselt sie danach nicht mehr.

Praktisch ohne Regeln

Kaum eine häufige Art ist im deutschen Fischereirecht so wenig geregelt. Ein einziges Bundesland führt ihn auf, und selbst dort ohne Frist und ohne Maß.

Schonzeit und Mindestmaß nach Bundesland

Schonzeit und Mindestmaß für Brassen nach Bundesland
Bundesland Schonzeit Maß, Mindestmaß in Zentimetern
Berlin Steht in Anlage 2, das Land nennt für ihn weder Schonzeit noch Maß keine Schonzeit heute frei kein Maß

Alle Angaben aus den Landesfischereiverordnungen, Stand und Quelle je Land auf der jeweiligen Schonzeiten-Seite. Der Status gilt für 11.10.2026.

Ohne Gewähr, und dein Erlaubnisschein darf strenger sein

Diese Tabelle gibt den Stand der Landesverordnungen wieder und ist keine Rechtsauskunft. Verein, Pächter und Gewässerordnung dürfen zusätzliche Schonzeiten, größere Mindestmaße und Entnahmefenster festlegen, und sie tun es häufig. Verbindlich ist immer das Papier, das du am Wasser dabei hast.

1 von 16 Ländern mit eigener Regel
kleines Auge Unterschied zur Güster
Schwarmfisch oft in großen Verbänden

Dass ein Bundesland ihn überhaupt nennt und dann weder Maß noch Frist festlegt, sagt viel über seine Rolle. Er gilt als häufig und als Massenfisch. Am Wasser bedeutet das, dass allein dein Erlaubnisschein Vorgaben macht, und die betreffen bei dieser Art meist die Entnahmemenge.

Ökologisch ist er wichtiger, als sein Ruf vermuten lässt. Ein Brassenbestand bindet Nährstoffe und ist Beute für Hecht, Zander und Wels. Gleichzeitig kann ein zu dichter Bestand durch das ständige Aufwühlen des Grundes die Sichttiefe verringern, weshalb manche Gewässer gezielt entnehmen lassen.

Der lauteste Laichakt des Jahres

Die Laichzeit liegt zwischen April und Juni, sobald das Wasser etwa 15 Grad hat, und sie ist an vielen Seen schwer zu übersehen. Große Brassenschwärme ziehen ins kaum kniehohe Uferwasser, schlagen, spritzen und drücken sich durch Schilf und Kraut, oft über Tage und meist nachts oder in den frühen Morgenstunden.

Flaches Schilfufer eines Sees im Morgennebel, das Wasser ist an mehreren Stellen aufgewühlt, Ringe breiten sich aus

Das Schauspiel im Mai

Was hier das Wasser bewegt, sind Brassen. Im Mai ziehen ganze Schwärme ins kaum kniehohe Uferwasser, schlagen, spritzen und drücken sich durch Schilf und Kraut, oft über Tage.

Für Beobachter ist das eines der auffälligsten Naturschauspiele im Süßwasser, für den Bestand die verletzlichste Phase des Jahres. Wer in dieser Zeit durch flache Laichzonen watet oder fährt, richtet mehr Schaden an als jede Entnahme.

Kniehohes Wasser, Schilf und Bewegung überall: der Laichakt. AI-Bild

Das Weibchen heftet die Eier an Pflanzen, und der Schwarm bleibt so lange, bis alles abgelegt ist. Für Beobachter ist das eines der auffälligsten Naturschauspiele im Süßwasser, für den Bestand die verletzlichste Phase des Jahres. Wer in dieser Zeit mit dem Boot durch flache Laichzonen fährt oder dort watet, richtet mehr Schaden an als jede Entnahme.

Wie schwer ist ein Brassen von 60 cm?

Der Brassen ist hoch und flach, und zwei Fische gleicher Länge können sich im Gewicht deutlich unterscheiden. Die Werte hier beschreiben einen normal genährten Fisch.

Länge, Gewicht und Mindestmaß

Richtwerte

Brassen: Gewicht nach Länge

  • 30 cm 380 g
  • 40 cm 920 g
  • 45 cm 1,3 kg
  • 50 cm 1,8 kg
  • 55 cm 2,4 kg
  • 60 cm 3,2 kg
  • 70 cm 5,1 kg

Richtwert aus einer Längen-Gewichts-Beziehung, nicht gewogen. Ein Fisch aus einem mageren Fluss liegt darunter, einer vor der Laichzeit darüber. Sobald genug Fänge mit Gewicht gemeldet sind, rechnet diese Kurve mit den echten Fischen.

Wie alt ist ein Brassen von 60 cm?

Brassen wachsen langsam und werden alt. Die schweren Fische über 60 cm, die im Frühjahr an den Laichplätzen stehen, sind fast immer über 15 Jahre alt. In einem nahrungsarmen Klarwassersee kann ein 45er schon zwölf Jahre haben.

Wachstum: Alter und Länge

bis 70 cm
  • 1 Jahr 5 bis 8 cm
  • 2 Jahre 10 bis 14 cm
  • 3 Jahre 15 bis 20 cm
  • 5 Jahre 25 bis 32 cm
  • 8 Jahre 35 bis 42 cm
  • 12 Jahre 45 bis 52 cm
  • 15 Jahre 50 bis 60 cm
  • 20 Jahre 58 bis 70 cm

So erklärt sich, warum ein Bestand nach einem harten Winter oder einer Sauerstoffkrise so langsam zurückkommt: die Jahrgänge, die fehlen, sind in drei Jahren nicht ersetzt.

Was die Meldungen zum Brassen zeigen

Beim Brassen lohnt vor allem der Blick auf die Monate, denn seine Aktivität hängt eng an der Wassertemperatur.

Noch zu wenige Meldungen für eine Auswertung

Dazu liegen bisher zu wenige Fänge mit Datum und Revier vor. Sobald genug zusammenkommen, stehen hier die stärksten Monate, die beste Tageszeit und die Reviere mit den meisten Fängen.

Wie bei allen Weißfischen ist die Untererfassung erheblich. Beim Feedern gefangene Brassen landen selten einzeln im Fangbuch, und der Beifang beim Karpfenangeln fast nie.

Welche Fische dahinterstecken, zeigen die Kacheln unten, jede mit Foto, Datum und dem Revier, in dem sie gelandet wurden.

Brassen aus der Community

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Häufige Fragen zur Fischart Brassen

6 Fragen
Hat der Brassen eine Schonzeit?

In keinem Bundesland. Nur Berlin führt ihn überhaupt auf, ohne Schonzeit und ohne Mindestmaß. Örtliche Regeln des Erlaubnisscheins können abweichen, etwa bei der Zahl entnommener Fische.

Sind Brassen, Brachse und Blei derselbe Fisch?

Ja, es sind regionale Namen für dieselbe Art. Im Norden und Osten ist Blei verbreitet, im Süden und Westen Brassen oder Brachse. Die Fischereiverordnungen verwenden je nach Land unterschiedliche Bezeichnungen.

Wie unterscheide ich Brassen und Güster?

Am Auge. Beim Brassen ist der Augendurchmesser kleiner als der Abstand vom Auge zur Schnauzenspitze, bei der Güster etwa genauso groß. Dazu hat die Güster rötliche Flossenansätze an Brust- und Bauchflossen.

Warum steigen Blasen auf, wenn Brassen fressen?

Weil sie ihr Rüsselmaul in den Weichgrund stecken und Nahrung heraussaugen. Dabei wird im Sediment eingeschlossenes Gas frei und steigt als Blasenkette auf. Eine wandernde Blasenspur zeigt dir einen ziehenden Schwarm in Echtzeit.

Wie groß wird ein Brassen?

Bis etwa 80 cm und rund 9 kg. Ein 60er Fisch wiegt 3 bis 4 kg und ist bereits bemerkenswert, in den Schwärmen dominieren Fische von 1 bis 2 kg.

Sind Brassen gut zu essen?

Sie sind sehr grätenreich, was ihre Beliebtheit begrenzt. Größere Fische aus klarem, kühlem Wasser lassen sich gut verwerten, wenn das Filet eingeschnitten wird. Aus warmen, schlammigen Gewässern schmecken sie dagegen oft muffig.

Quellen und Stand

1 Quelle
  1. Rote Liste der Süßwasserfische und Neunaugen Deutschlands Rote-Liste-Zentrum im Auftrag des Bundesamts für Naturschutz, abgerufen am 09.09.2026

Zuletzt geprüft am . Fischereirecht ist Landesrecht, verbindlich ist immer der Erlaubnisschein deines Gewässers.

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René Seidel

Zusammengestellt von

René Seidel

Ich angle seit 2002: angefangen mit acht Jahren an den Weihern, die mein Vater gepachtet hatte, heute vor allem am Neckar bei Heilbronn, an der Wörnitz und am Main. Mit CatchHub baue ich die Angel-Community, in der ich meine Praxis am Wasser mit echten Fangdaten zusammenbringe.

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