Weite verschneite Eisfläche eines Sees im Wintermorgen, vorn ein frisch gebohrtes Loch mit Handbohrer und kurzer Rute auf dem Sitzkasten, zwei Personen weit draußen AI
Angeltechnik

Eisangeln: Recht, Eisdicke, Rettung und Technik

Eisangeln ist die ruhigste Art zu angeln und die einzige, bei der ein Fehler vor dem ersten Wurf tödlich sein kann. Ob du aufs Eis darfst, entscheidet fast nie das Land, und ob es dich trägt, sagt keine einzelne Zahl.

Kurz gesagt

  • In den geprüften Landesfischereiverordnungen kommt Eisangeln, auch Eisfischen genannt, nicht vor. Ob es erlaubt ist, entscheiden die Gewässerordnung des Fischereirechtsinhabers, die Gemeinde für das Betreten der Fläche und das Naturschutzrecht.
  • Die DLRG nennt 15 cm Eisdicke für stehende Gewässer, die Wasserwacht Bayern 10 cm Kerneis, die Schweizer SLRG 5 cm für einzelne Personen. Blasiges Schnee-Eis zählt dabei nur zur Hälfte.
  • Bei konstant −10 °C wächst Eis um rund 1 cm am Tag. Eine tragfähige Decke braucht deshalb 2 Wochen Dauerfrost, nicht 2 kalte Nächte.
  • Gefischt wird senkrecht durch ein Loch von höchstens 20 cm, mit einer Rute von 30 bis 90 cm, 0,10er bis 0,14er Schnur und einer Mormyschka, die das Zittern der Hand führt.
  • Barsch steht unter Eis in Schwärmen gleicher Größe, Renke schichtweise im Freiwasser, und die Quappe laicht genau dann. Der gefangene Fisch gehört über das Loch, nicht auf das Eis.

Ein Loch, eine kurze Rute und eine Decke, der du vertrauen musst

Eisangeln ist das einfachste Angeln, das es gibt, und das einzige, bei dem der Fehler vor dem ersten Fisch passiert. Die Montage ist ein Stück Schnur mit einem Bleikopf daran. Alles Schwierige liegt darüber, in der Frage, ob du auf dieser Fläche stehen darfst und ob sie dich hält.

5, 10, 15 cm drei Organisationen, eine Frage
1 cm je Tag wächst Eis bei −10 °C
3 m Abstand zwischen 2 Löchern bei 10 cm Eis

Deshalb beginnt diese Seite nicht mit dem Barsch, sondern mit dem Recht und mit der Physik einer Eisdecke. Beides ist anders, als es in den meisten Texten zum Thema steht.

Steckbrief Eisangeln

Was es ist
senkrechtes Angeln durch ein Loch in der Eisdecke Der Köder hängt unter dir, geworfen wird nichts
Rechtliches
kein geprüftes Landesrecht regelt es Gewässerordnung, Gemeinde und Schutzgebiet entscheiden
Eisdicke
DLRG 15 cm, Wasserwacht 10 cm, SLRG 5 cm Schnee-Eis zählt nur zur Hälfte, Fließgewässer gar nicht
Gewässer
nur Stillwasser Auf Fließgewässern verbieten es die Verbände, die es regeln
Sicherheit
nie allein, Eispickel und Leine am Körper Wer einbricht, hat nahe 0 °C wenige Minuten Handlungsfähigkeit
Zielfische
Barsch, Renke, Quappe, Rotauge Hecht bleibt aktiv, Forellen drosseln
Alle 12 Angaben
Rute
30 bis 90 cm Mormyschka-Ruten sind kaum länger als 20 cm
Schnur
0,10 bis 0,14 mm monofil Feiner als alles am offenen Wasser
Köder
Mormyschka mit Made, kleiner Pilker, Hegene Führung ist ein Zittern, keine Bewegung
Loch
Bohrer 13 bis 20 cm, Abstand rund 3 m Höchstens 20 cm an der Unterseite, danach markieren
Saison
nach 2 Wochen Dauerfrost Vorbei mit dem ersten Tauwetter, nicht mit dem Kalender
Schwierigkeit
hoch Nicht die Technik, die Einschätzung der Decke

Wer entscheidet, ob du aufs Eis darfst

Die verbreitete Aussage, Eisangeln sei in mehreren Bundesländern verboten, hält einer Prüfung nicht stand. Wir haben die Landesfischereiverordnungen von Baden-Württemberg, Bayern, Sachsen und Berlin im Volltext gelesen. Das Wort Eis kommt in keiner vor, weder als Verbot noch als Erlaubnis. Für die übrigen Länder fand sich kein Verbot mit Fundstelle, geprüft im Volltext sind sie nicht.

Das oft zitierte Verbot in Baden-Württemberg steht in den Richtlinien des Anglervereins Karlsruhe, der sich dabei auf seine eigene Satzung beruft. Es ist eine Vereinsregel, keine Landesnorm. Und die einzige Landesvorschrift, die Eislöcher überhaupt erwähnt, die Berliner Eisflächenverordnung von 1979, verbietet das Aufschlagen des Eises und nimmt die Fischerei davon ausdrücklich aus.

Die Entscheidung fällt also eine Ebene tiefer, und sie fällt an drei Stellen.

Ebene Was sie regelt Beispiel
Fischereirechtsinhaber Ob an diesem Gewässer auf dem Eis geangelt werden darf Der Landesanglerverband Sachsen-Anhalt erlaubt es auf Stillgewässern auf eigene Gefahr und verbietet es auf Fließgewässern
Gemeinde oder Betreiber Ob die Eisfläche betreten werden darf Berlin gibt keine Fläche frei, Hamburg nur nach Kernbohrungen
Naturschutzrecht Ob du im Winter überhaupt dorthin darfst Wegegebot im Schutzgebiet, Rast- und Überwinterungsflächen der Wasservögel

Die zweite Ebene ist die, an der es meist scheitert. Ein Betretungsverbot der Gemeinde gilt auch mit Angelkarte, und wer trotzdem hinausgeht, handelt auf eigene Gefahr und zahlt im Ernstfall den Rettungseinsatz.

Drei Organisationen, drei Zahlen

Die Frage nach der sicheren Eisdicke hat keine einzelne Antwort, und das lässt sich belegen. Drei Rettungsorganisationen nennen für dieselbe Frage drei verschiedene Werte.

Der Rand eines Eislochs von der Seite, unten klares dunkles Kerneis, darüber weißes Schnee-Eis und Schnee

Nur das dunkle Eis trägt ganz

Was der Bohrer auswirft, sagt mehr als jede Zahl. Klares, dunkles Kerneis trägt. Weißes, blasiges Schnee-Eis entsteht aus durchnässtem Schnee und zählt nach der SLRG nur zur Hälfte.

Wer 15 cm misst und davon 8 cm weiß sieht, steht auf 11 cm. Deshalb wird am Ufer gebohrt und die Lochkante angesehen, bevor der erste Schritt weiter hinaus geht.

Unten Kerneis, darüber blasiges Schnee-Eis, das nur zur Hälfte zählt. AI-Bild

Organisation Eisdicke Wofür
DLRG 15 cm stehendes Gewässer, 20 cm am fließenden
Wasserwacht Bayern 10 cm Kerneis, ohne Schneeauflage gerechnet
SLRG (Schweiz) 5 cm einzelne Personen, 10 bis 12 cm bei großem Andrang

Die Schweizer Zahl stammt aus einer Entscheidungshilfe für Behörden, die vorher gebohrt, Proben gesägt und das Zufrieren protokolliert haben. Ohne dieses Wissen ist sie keine Freigabe. Die DLRG-Zahl ist die, die dieses Wissen ersetzt, und deshalb die, mit der du rechnest.

Wichtiger als jede der drei Zahlen ist der Werkstoff. Klares, dunkles Kerneis trägt. Weißes, blasiges Schnee-Eis entsteht, wenn Schnee auf die Decke fällt, durchnässt und wieder gefriert, und von seiner Dicke zählt nach der SLRG nur die Hälfte. Wer 15 cm misst, davon 8 cm weiß, steht auf 11 cm.

Und das Eis braucht Zeit. Bei konstant −10 °C wächst die Decke um rund 1 cm am Tag. Eine tragfähige Fläche ist das Ergebnis von 2 Wochen Dauerfrost, nicht von 2 kalten Nächten, und eine Schneedecke bremst das Wachstum, weil sie die Decke von oben isoliert. Am Berliner Müggelsee hat sich die Zeit, in der sich überhaupt Eis bilden kann, in 30 Jahren um 20 Tage verkürzt.

Wo die Decke dünner ist, als sie aussieht

Eine Eisfläche ist nirgends gleich dick, und die dünnen Stellen liegen dort, wo Wasser in Bewegung ist oder Wärme von unten kommt.

Wo du beim Eisangeln fischst

1 Ansicht

Stillwasser: Baggersee, Weiher, Talsperre

Scharkante 1 Untiefe im Freiwasser 2 Freies Wasser 3 Totholz 4 Zufluss 5 Schilfgürtel 6
  1. Scharkante

    Die Scharkante ist im Winter die Linie, an der der Barschschwarm steht, und sie liegt weit genug vom Ufer, dass die Bodenwärme das Eis nicht mehr ausdünnt.

  2. Untiefe im Freiwasser

    Die Erhebung im Freiwasser sammelt den Schwarm. Genau über solchen Untiefen nennt die SLRG das Eis aber als dünner, weil vom Grund Wärme aufsteigt, also erst bohren und messen.

  3. Freies Wasser

    Für die Renke zählt die Wasserschicht, nicht der Grund. Die Hegene sucht sie schichtweise ab, und ohne Echolot ist das der Platz, an dem du am längsten blind bleibst.

  4. Totholz

    Winterdeckung für Barsch, unter dem Loch aber auch die Stelle, an der eine 0,12er Schnur beim ersten Hänger reißt. Daneben bohren, nicht darüber.

  5. Zufluss

    Hier wird nicht geangelt. Zuläufe stehen in den Eisregeln von DLRG, Wasserwacht und SLRG an erster Stelle der Orte, an denen die Decke ohne Vorwarnung dünn wird.

  6. Schilfgürtel

    Auch hier nicht. Für Schilfgürtel lässt sich nach der SLRG keine Regel angeben, weil Sonne und Ausstrahlung im Uferstreifen gegeneinander arbeiten, und im Winter rasten dort die Wasservögel.

Gewässertyp im Lexikon: See Baggersee Weiher

Auch auf der Karte, hier aber zweite Wahl: Seerosenfeld, Krautfeld, Steg.

Zuflüsse stehen in jeder Eisregel an erster Stelle. Gefährlicher sind nach der SLRG die Stellen, die niemand sieht, unsichtbare Quellen und Faulgas aus dem Grund, deren Auftrieb wärmeres Wasser unter die Decke bringt. Dazu kommen Untiefen, an denen Bodenwärme aufsteigt, Stege und Pfähle, an denen das Eis am Holz schwächer bleibt, und die Ufer von Stauseen, weil ein schwankender Wasserspiegel die Decke dort bricht und neu ansetzt.

Für Fließgewässer gilt das alles verschärft. Die SLRG nennt gefrorene Flüsse und Kanäle wörtlich viel gefährlicher als stehende Gewässer, die DLRG hebt die Mindestdicke dort auf 20 cm und rät vom Betreten ab, und die einzige gefundene Verbandsregel zum Eisangeln verbietet es auf Fließgewässern. Diese Seite zeigt deshalb nur den See.

Der Abstand der Löcher ist Lastverteilung, keine Fangtaktik

Eine Eisdecke trägt wie ein Floß, und zwei Menschen dicht beieinander belasten denselben Punkt. Die SLRG rechnet den nötigen Abstand vor. Bei 10 cm Eis sollten Erwachsene 3 bis 3,5 m auseinander bleiben, bei 20 cm reichen 1,5 bis 1,7 m.

Genau 3 m ist auch der Abstand, in dem Eisangler ihre Löcher setzen, damit sich das Raster über die Kante zieht. Dass beide Zahlen zusammenfallen, ist kein Zufall, sondern derselbe Gedanke von zwei Seiten.

Das Loch selbst bleibt klein. Handbohrer haben 13 bis 15 cm Durchmesser, und der Landesanglerverband Sachsen-Anhalt begrenzt die Öffnung auf 20 cm an der Unterseite der Decke. Beim Gehen wird jedes Loch gekennzeichnet, in Berlin mit etwas, das die Fläche um mindestens 40 cm überragt. Ein offenes Loch friert über Nacht dünn zu, sieht dann aus wie die Decke und bleibt tagelang eine Falle.

Was das Eis sagt, bevor es bricht

Unter Last biegt sich die Decke wie eine Schüssel durch, und sie kündigt den Bruch an. Zuerst reißen an der Unterseite Radialrisse auf, sternförmig vom Belastungspunkt weg. Sie sind das Zeichen, dass die Dicke nicht reicht. Öffnen sich an der Oberfläche kreisförmige Risse um dich herum, ist das der Alarm, dann steht der Bruch bevor.

Beides ist meist mit einem lauten Knall verbunden. Bei morschem Eis kann er ausbleiben, und dünnes Eis von 5 bis 7 cm schwingt beim Gehen spürbar mit. Wer das spürt, dreht um, auf demselben Weg, auf dem er gekommen ist.

Ein Satz aus der SLRG-Broschüre betrifft den Eisangler mehr als jeden anderen Nutzer der Fläche. Bewegte Lasten sind weniger gefährdet als stehende. Du sitzt stundenlang auf einem Punkt.

Wenn jemand einbricht

Die erste Regel richtet sich an den, der im Wasser ist. Nicht strampeln, Arme ausbreiten, und in der Richtung aussteigen, aus der du gekommen bist, denn dort hat das Eis eben noch getragen. Flach auf die Decke ziehen, nicht aufstehen, und zum Ufer robben.

Eispickel an einer Schnur, Wurfleine im Beutel, Zollstock und Schwimmweste liegen auf Schnee

Was nie am Ufer bleibt

Die Eispickel hängen an einer Schnur um den Hals, nicht im Rucksack, weil im Wasser keine Zeit bleibt, sie zu suchen. Die Wurfleine trägt der zweite Mensch, und die Schwimmweste hält den Kopf oben, wenn die Kälte die Arme lähmt.

Der Zollstock ist das einzige Werkzeug, mit dem die Decke gemessen wird. Ein Stein, der liegen bleibt, beweist nichts.

Eispickel um den Hals, Leine am Körper, Weste an, Zollstock im Loch. AI-Bild

Die zweite Regel richtet sich an den, der helfen will. Reiche einem Eingebrochenen niemals die Hand. Er hat Todesangst und enorme Kräfte, er klammert sich an alles und zieht den Retter mit ins Loch. Nimm einen Gegenstand, die Wurfleine, einen Ast, den Eisbohrer, und nähere dich in Bauchlage, selbst angeleint, wenn ein Dritter da ist. Notruf 112 vor allem anderen. Den Geretteten so wenig wie möglich bewegen und langsam aufwärmen, mit Decken und trockener Kleidung.

Die Zeit dafür ist kürzer, als die bekannte 1-10-1-Regel glauben macht. Der Kälteschock kann in den ersten Sekunden bis 2 Minuten töten, weil der Körper reflexhaft einatmet. Bei Wasser nahe 0 °C sind die Hände nach 2 bis 10 Minuten nicht mehr zu gebrauchen. Die vielzitierte eine Stunde bis zur Bewusstlosigkeit ist keine Stunde, in der jemand sich selbst retten kann.

Was vor dem ersten Schritt aufs Eis geklärt ist

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Tippe zum Abhaken. Dein Stand bleibt auf diesem Gerät gespeichert.

Rute, Schnur und Köder beim Eisangeln

Wer die Fläche geklärt hat, angelt mit dem einfachsten Gerät des ganzen Registers. Die Rute misst 30 bis 90 cm, weil nichts geworfen wird. Die Schnur ist mit 0,10 bis 0,14 mm monofil feiner als alles am offenen Wasser, weil sie im kalten Wasser nicht mehr halten muss als einen Barsch und weil eine dickere den Köder nicht spielen ließe. Geflecht friert und bleibt zu Hause.

Eine behandschuhte Hand hält eine winzige Mormyschka mit Made über einem Eisloch, daneben die Schöpfkelle

Ein Bleikopf, eine Made, das Zittern der Hand

Die Mormyschka ist der Köder des Eisangelns, ein Bleikopf von wenigen Millimetern mit angegossenem Haken und einer Made. Ihre Führung ist kein Bewegen, sondern ein Zittern, und bei ruhiger Hand tut es der eigene Puls.

Die Schöpfkelle hält das Loch frei. Ohne sie friert der Eisbrei am Rand an und die Schnur mit ihm.

Nicht größer als ein Fingernagel, und das reicht dem Barsch. AI-Bild

Die Montage im Detail

5 Bauteile

Die Montage ist die einfachste im ganzen Register. Was daran entscheidet, steht über dem Wasser, nicht darunter.

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  1. Die Decke besteht aus Schichten

    Unten klares, dunkles Kerneis, das trägt. Darüber weißes, blasiges Schnee-Eis, von dem nur die Hälfte zählt. Was der Bohrer auswirft, zeigt dir das Verhältnis.

  2. Das Loch bleibt klein und wird markiert

    Höchstens 20 cm an der Unterseite, so verlangt es die Gewässerordnung, die es regelt. Beim Gehen kennzeichnest du es, in Berlin mindestens 40 cm hoch, damit der Nächste es sieht.

  3. Die Rute ist kurz, weil nichts geworfen wird

    30 bis 90 cm reichen, um einen Köder senkrecht zu heben und zu senken. Für die Mormyschka sind es um 20 cm mit einem Federstahl an der Spitze, der den Biss zeigt.

  4. Die Schnur ist dünner als alles am offenen Wasser

    0,10 bis 0,14 mm monofil. Mehr braucht ein Barsch nicht, und mehr würde die Mormyschka nicht spielen lassen. Geflecht friert und bleibt draußen.

  5. Die Mormyschka führt das Zittern deiner Hand

    Ein Bleikopf von wenigen Millimetern mit angegossenem Haken und einer Made. Sie hakt fast immer flach im Oberkiefer, und ohne Widerhaken ist der Fisch schneller wieder im Wasser.

Der Köder ist meist eine Mormyschka, ein Bleikopf von wenigen Millimetern mit angegossenem Haken und einer Made. Ihre Führung ist kein Bewegen. Das Zittern der Hand reicht, und nach Beobachtung skandinavischer Angler tut es bei ruhiger Hand schon der eigene Puls. Der Biss ist oft nur ein Anheben der Rutenspitze, weshalb Mormyschka-Ruten einen Federstahl an der Spitze tragen, der jede Entlastung zeigt.

Im kalten Wasser sind fast alle Fische träge. Die Pause zwischen zwei Zitterphasen bringt mehr Bisse als das Zittern selbst, und eine Führung, die am offenen Wasser langsam wäre, ist unter dem Eis zu schnell.

Das Zittern mit der Mormyschka

Köder eine Handbreit über Grund, Rutenspitze zittern lassen, alle paar Sekunden eine Pause. Der Biss kommt in der Pause, und er ist oft nur ein Anheben der Spitze.

BarschRotaugeStandard

Der kleine Pilker

Anheben um 20 bis 30 cm, absinken lassen, warten. Der Pilker flattert auf dem Weg nach unten zur Seite und lockt aus größerer Entfernung als die Mormyschka.

BarschHechtTiefe

Die Hegene im Freiwasser

Mehrere Nymphen an Seitenarmen im Abstand von rund 60 cm, weil Renken nach Echolot-Beobachtungen schichtweise in diesem Abstand stehen. Die Hegene findet die Schicht, die du nicht kennst.

RenkeSchicht

Das Raster statt des einen Lochs

Sechs Löcher entlang der Kante, jedes 10 Minuten. Barsch steht in Schwärmen gleicher Größe, und ein Loch ohne Biss ist ein Loch ohne Schwarm, nicht ein Tag ohne Fisch.

SucheSee

Die Quappe in der Winternacht

Sie laicht von Dezember bis Februar bei 0,5 bis 4 °C, nachts, über hartem Grund. Ein Köderfischfetzen auf dem Boden ist die einzige Methode dieser Seite, die im Dunkeln stärker ist.

QuappeNachtGrund

Welche Fische unter dem Eis stehen

Der Barsch ist der Fisch dieser Technik, und er verhält sich unter Eis anders, als es die Sommerregeln sagen. Eine finnische Untersuchung an 10 Seen fand, dass Barsche, die durch dasselbe Loch gefangen wurden, in der Größe deutlich einheitlicher waren als der Bestand des Sees. Unter Eis stehen sie in Schwärmen gleicher Größe. Ein Loch liefert eine Größenklasse, nicht das Gewässer. Wer größere Fische will, bohrt neu, statt am selben Loch zu warten. Die Behauptung, der erste Fisch sei immer der größte, hielt der Auswertung nicht stand, sie traf nur in 2 von 10 Seen zu.

Renken stehen im Freiwasser in Schichten, nach Echolot-Beobachtungen oft rund 60 cm übereinander, was den Abstand der Seitenarme an der Hegene erklärt. Die Quappe ist die einzige Art, die im Winter laicht, von Dezember bis Februar bei 0,5 bis 4 °C, nachts und über hartem Grund. Sie ist der Grund, warum sich das Eisangeln in der Dunkelheit lohnt.

Telemetriedaten aus kanadischen Seen zeigen, dass der Hecht unter Eis aktiv bleibt, während Forellen Bewegung und Fressen drosseln. Und sie zeigen, wo die Fische stehen. Bei 0 bis 4 °C zogen Seeforellen in flache Zonen, in denen sie im Sommer nie sind. Wer im Winter zu tief sucht, sucht am Fisch vorbei.

Der Fisch auf dem Eis

Die Stressantwort eines Fisches ist im Winter schwächer als im Sommer, aber träger. Bei Barschen, die im Februar gefangen wurden, lag die Cortisolspitze bei einem Bruchteil der Sommerwerte, kam aber um bis zu 2 Stunden verzögert und war nach 4 Stunden noch messbar. Ein kurz gedrillter Winterbarsch verkraftet den Fang gut, wenn er schnell zurück ins Wasser kommt.

Was er schlecht verkraftet, ist das Eis. Barsche, die 3 Minuten bei −6 °C Lufttemperatur auf der Decke lagen, hatten an Auge, Kieme und Schwanzflosse Oberflächentemperaturen unter 0 °C, und die dem Eis zugewandte Seite war deutlich kälter als die Luftseite. Einen Gewebeschaden fanden die Forscher nicht, einen Beleg, dass es folgenlos bleibt, aber auch nicht. Die praktische Folge ist einfach. Der Fisch wird über dem Loch abgehakt und nie auf das Eis gelegt. Mit der Mormyschka sitzt der Haken fast immer flach im Oberkiefer, und ohne Widerhaken dauert das Lösen Sekunden.

Der Wind ist auf dem Eis das Thermometer

Auf einer Eisfläche gibt es keinen Windschatten und keine Bewegung, die wärmt. Die Kälte kommt zusätzlich von unten durch die Sohlen, und was das Thermometer zeigt, ist deshalb nur die halbe Auskunft.

Wie kalt wird es auf der Fläche?

Rechner

Auf dem Eis gibt es keinen Windschatten und keine Bewegung, die wärmt. Der Wind trägt die Wärme ab, die dein Körper an die Luft über der Haut abgibt, und beim Sitzen über dem Loch kommt kaum etwas nach.

Auskühlungs-Rechner

Temperatur und Wind rein, gefühlte Kälte raus

  • Gefühlte Temperatur …
  • Gegenüber dem Thermometer …
  • Risiko für unbedeckte Haut …

Die Formel gilt unterhalb von etwa 10 °C und ab rund 5 km/h Wind. Sie kennt weder Sonne noch die Kälte aus dem Eis unter dir, und sie sagt nichts über die Tragfähigkeit der Decke.

Die wirksamste Kleidung ist die, die den Wind aussperrt, dazu ein isolierter Sitzkasten und zwei Paar Handschuhe, weil das erste Paar beim Abhaken nass wird. Nasse Hände sind auf dem Eis der häufigste Grund, den Tag abzubrechen, nicht die Temperatur.

Vom Ufer bis zum markierten Loch

Die Reihenfolge ist auf dem Eis wichtiger als am Ufer, weil jeder Schritt prüft, ob der nächste möglich ist.

  1. Die Erlaubnis für genau dieses Gewässer klären

    Gewässerordnung lesen, beim Verein oder Bewirtschafter nachfragen und prüfen, ob die Gemeinde die Fläche gesperrt hat. Drei Stellen, keine davon ist das Landesrecht.

  2. Am Ufer bohren und messen, nicht mittendrin

    Das erste Loch entsteht wenige Meter vom Ufer, mit dem Zollstock im Loch. Kerneis und Schnee-Eis getrennt messen, und wenn Wasser aus dem Loch quillt, ist die Decke wasserzügig und der Tag zu Ende.

  3. Die Fläche zu zweit und mit Abstand begehen

    Der zweite Mensch geht 3 m hinter dir, angeleint, mit den Eispickeln um den Hals. Alle 20 bis 30 m ein Messloch, denn die Decke ist an keiner Stelle so dick wie an der davor.

  4. Über der Kante ein Raster bohren

    Sechs bis acht Löcher im Abstand von rund 3 m entlang der Scharkante, bevor die erste Rute ins Wasser kommt. Bohren macht Lärm, und der ist besser vorbei, wenn du fischst.

  5. Das Loch schöpfen und den Köder auf Tiefe bringen

    Eisbrei mit der Schöpfkelle heraus, sonst friert die Schnur fest. Dann die Mormyschka bis zum Grund sinken lassen, eine Handbreit anheben und die Rutenspitze zittern lassen, mit Pausen.

  6. Nach 10 Minuten ohne Biss das Loch wechseln

    Ein Loch liefert eine Größenklasse und einen Schwarm. Steht er nicht darunter, bringt Warten nichts, und das nächste Loch ist 3 Schritte entfernt.

  7. Den Fisch über dem Loch abhaken

    Nicht auf das Eis legen. Nach 3 Minuten dort liegen Auge, Kieme und Flosse unter 0 °C, und die dem Eis zugewandte Seite kühlt am schnellsten. Widerhakenlos geht es in Sekunden.

  8. Die Löcher beim Gehen kennzeichnen

    Ein Ast, ein Stock oder ein Eisblock, deutlich über der Fläche. Ein offenes Loch friert dünn zu, sieht nach 1 Nacht aus wie die Decke und bleibt tagelang eine Falle.

Drei Irrtümer, die sich halten

„Eisangeln ist in mehreren Bundesländern verboten." In den geprüften Landesverordnungen kommt es nicht vor. Die zitierten Verbote sind Vereins- und Verbandsregeln, und die Berliner Eisflächenverordnung nimmt die Fischerei vom Verbot des Aufschlagens ausdrücklich aus. Verboten ist meist das Betreten, und das regelt die Gemeinde.

„Ab 15 cm ist das Eis sicher." Drei Rettungsorganisationen nennen 5, 10 und 15 cm, und die SLRG zählt die Faktoren auf, die jede Zahl schlagen. Schnee-Eis zählt halb, über Quellen und Untiefen gilt keine Dicke, und Frühjahrs-Eis kann nach der Beobachtung der SLRG auch bei großer Dicke ohne Vorwarnung brechen.

„Ein Loch im Eis hilft den Fischen gegen Sauerstoffmangel." Unter einer geschlossenen Eis- und Schneedecke fehlt das Licht, und damit die Sauerstoffproduktion, während Atmung und Abbau weiter zehren. Ein Bohrloch ist dagegen zu klein, um etwas zu ändern. Vereine sägen für die Winterhege große Öffnungen und räumen vor allem den Schnee, damit Licht durchkommt.

Was die Meldungen vom Eis zeigen

Welche Reviere im Hochwinter überhaupt Fänge liefern und welche Arten dann gemeldet werden, sagen die Einträge der Angler.

Noch zu wenige Meldungen für eine Auswertung

Dazu liegen bisher zu wenige Fänge mit Datum und Revier vor. Sobald genug zusammenkommen, stehen hier die stärksten Monate, die beste Tageszeit und die Reviere mit den meisten Fängen.

Noch kein Fang mit Foto gemeldet

Hier stehen Fänge aus der Community, sobald der erste öffentlich eingetragen wurde. Jede Kachel führt dann zum Revier dahinter.

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Häufige Fragen zur Angeltechnik Eisangeln

10 Fragen
Ist Eisangeln in Deutschland erlaubt?

In den geprüften Landesfischereiverordnungen kommt es nicht vor, weder als Verbot noch als Erlaubnis. Entscheidend sind die Gewässerordnung des Fischereirechtsinhabers, die Gemeinde für das Betreten der Fläche und die Verordnung eines Schutzgebiets. Der Landesanglerverband Sachsen-Anhalt erlaubt es auf seinen Stillgewässern auf eigene Gefahr und verbietet es auf Fließgewässern.

In welchem Bundesland ist Eisangeln verboten?

Für keines ließ sich ein Landesverbot mit Fundstelle finden. Das oft zitierte Verbot in Baden-Württemberg steht in den Richtlinien eines Karlsruher Vereins, nicht in der Landesfischereiverordnung. Verboten ist meist das Betreten der Eisfläche, und das regelt die Gemeinde per Gefahrenabwehrverordnung.

Ab welcher Eisdicke trägt das Eis?

Die DLRG nennt 15 cm für stehende und 20 cm für fließende Gewässer, die Wasserwacht Bayern 10 cm Kerneis, die Schweizer SLRG 5 cm für einzelne Personen. Blasiges Schnee-Eis zählt nur zur Hälfte, und über Zuflüssen, Quellen und Untiefen gilt keine der Zahlen.

Wie lange dauert es, bis ein See trägt?

Bei konstant −10 °C wächst die Decke um rund 1 cm am Tag. 15 cm brauchen also gut 2 Wochen Dauerfrost, und jeder milde Tag dazwischen setzt die Rechnung zurück. Eine Schneedecke bremst das Wachstum zusätzlich, weil sie das Eis von oben isoliert.

Darf ich Löcher ins Eis bohren?

Die Berliner Eisflächenverordnung verbietet es und nimmt die Fischerei ausdrücklich aus, verlangt aber eine Kennzeichnung mindestens 40 cm über der Fläche. Der Landesanglerverband Sachsen-Anhalt begrenzt das Loch auf 20 cm an der Unterseite und verlangt ebenfalls eine deutliche Markierung.

Welche Fische fange ich unter dem Eis?

Barsch in Schwärmen gleicher Größe, Rotauge mit der Mormyschka, Renke mit der Hegene im Freiwasser und die Quappe, die von Dezember bis Februar laicht. Hecht bleibt nach Telemetriedaten aktiv, Forellen drosseln Bewegung und Fressen deutlich.

Was tue ich, wenn jemand einbricht?

112 wählen, dann in Bauchlage nähern und niemals die Hand reichen, sondern einen Gegenstand, weil Eingebrochene in Todesangst jeden Retter mit ins Loch ziehen. Selbst angeleint bleiben, den Geretteten so wenig wie möglich bewegen und langsam mit Decken aufwärmen.

Wie lange bleibt jemand im Eiswasser handlungsfähig?

Der Kälteschock kann in den ersten Sekunden bis 2 Minuten töten, weil der Körper reflexhaft einatmet. Bei Wasser nahe 0 °C sind die Hände nach 2 bis 10 Minuten nicht mehr zu gebrauchen. Die verbreitete Aussage, es bleibe eine Stunde, ist der gefährliche Teil der 1-10-1-Regel.

Was ist eine Mormyschka?

Ein Bleikopf von wenigen Millimetern mit angegossenem Haken, meist mit einer Made bestückt. Geführt wird sie mit dem Zittern der Hand an einer Rute um 20 cm. Studien zeigen flache Hakung im Oberkiefer und fast keine unmittelbaren Verluste, mit widerhakenlosem Haken geht das Lösen schneller.

Darf ich den Fisch auf dem Eis fotografieren?

Besser nicht. Nach 3 Minuten auf dem Eis lagen bei Barschen Auge, Kieme und Schwanzflosse unter 0 °C, die Eisseite deutlich kälter als die Luftseite. Einen Gewebeschaden fanden die Forscher nicht, aber auch keinen Beleg, dass es folgenlos bleibt. Über dem Loch abhaken, Foto in der Hand.

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René Seidel

Zusammengestellt von

René Seidel

Ich angle seit 2002: angefangen mit acht Jahren an den Weihern, die mein Vater gepachtet hatte, heute vor allem am Neckar bei Heilbronn, an der Wörnitz und am Main. Mit CatchHub baue ich die Angel-Community, in der ich meine Praxis am Wasser mit echten Fangdaten zusammenbringe.

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