Scholle auf hellem Sandgrund im Flachwasser, braune Oberseite mit leuchtend orangen Flecken AI
Fischart

Scholle (Fisch): Steckbrief, Maß und Merkmale

Eine Scholle beginnt ihr Leben als ganz normal geformter Fisch und legt sich erst nach einigen Wochen auf die Seite, während ein Auge auf die andere Körperhälfte wandert. Daraus erklärt sich ihr ganzer Bau. Hier steht außerdem, wie du sie sicher von Flunder und Kliesche unterscheidest.

Kurz gesagt

  • Die Scholle (Pleuronectes platessa) hat beide Augen auf der rechten Körperseite, glatte Haut und orange bis rote Punkte auf bräunlichem Grund.
  • Ihr verlässlichstes Merkmal ist eine Reihe von 4 bis 7 kleinen Knochenhöckern hinter dem Auge. Sie verblasst nie, anders als die Punkte.
  • Sie beginnt ihr Leben als normal geformter Fisch. Wenige Wochen nach dem Schlüpfen wandert das linke Auge über die Schädeldecke, und der Fisch legt sich auf die Seite.
  • An der Ostseeküste darf sie ab 25 cm entnommen werden, für die Nordsee gelten stattdessen EU-Vorgaben.
  • Von Flunder und Kliesche trennt sie ein Fingerstrich über die Augenseite: die Scholle ist glatt, die beiden anderen rau.
Scholle angeln: Boot, Brandung, Köder und Haken Die Scholle ist der Fisch, den es in der westlichen Ostsee gerade so zahlreich …

Orange Punkte auf glatter Haut

Die Scholle liegt auf der linken Körperhälfte, beide Augen zeigen nach rechts. Ihre Oberseite ist bräunlich mit orangen bis roten Punkten, die Unterseite weiß. Die Haut fühlt sich glatt an, und zwischen den Augen und dem Beginn der Seitenlinie sitzen 4 bis 7 kleine Knochenhöcker.

Makroaufnahme der Augenseite einer Scholle mit orangeroten Punkten auf glatter brauner Haut

Glatt, mit leuchtenden Punkten

Diese Haut ist der Unterschied. Über die Augenseite gestrichen fühlt sich eine Scholle nirgends rau an, während die Flunder zwei Reihen Knochenwarzen trägt und die Kliesche überall wie Schmirgelpapier wirkt.

Die orangen Punkte kommen dazu, sind aber weniger verlässlich. Bei Fischen aus trübem Wasser sind sie blass bis kaum sichtbar, die glatte Oberfläche bleibt.

Kein einziger rauer Punkt, dafür die orangen Tupfen. AI-Bild

Scholle erkennen

5 Merkmale

Bei einem Plattfisch entscheidet die Oberfläche, nicht der Umriss. Vier der fünf Punkte unten lassen sich mit der Hand prüfen, ohne den Fisch umzudrehen.

1 2 3 4 5
  1. Beide Augen auf der rechten Seite

    Die Scholle liegt auf ihrer linken Körperhälfte, beide Augen schauen nach rechts. Eines davon saß in der Jugend noch drüben.

  2. 4 bis 7 Knochenhöcker

    Zwischen den Augen und dem Beginn der Seitenlinie sitzt eine Reihe kleiner Höcker. Sie ist das verlässlichste Merkmal, weil sie nie verblasst.

  3. Durchgehender Flossensaum

    Die Rückenflosse beginnt über dem Auge und läuft ohne Lücke bis kurz vor den Schwanzstiel. Ihr Wellenschlag schiebt den Fisch über den Grund.

  4. Orange bis rote Punkte

    Auffällig auf bräunlichem Grund und trotzdem unzuverlässig. Bei Fischen aus trübem Wasser sind sie blass bis kaum sichtbar.

  5. Glatte Haut, weiße Blindseite

    Die Augenseite fühlt sich glatt an, die abgewandte Hälfte ist rein weiß und ohne Pigment. Ein Fingerstrich trennt sie so von der Flunder.

Nicht verwechseln mit

2 Arten

Verwechselt wird diese Art vor allem mit den folgenden. Unter jedem Umriss steht, woran der Unterschied hängt.

Steckbrief Scholle

Wissenschaftlicher Name
Pleuronectes platessa
Familie
Schollen (Pleuronectidae)
Augenseite
rechts Sie liegt auf der linken Körperhälfte, beide Augen zeigen nach rechts
Maximale Länge
etwa 70 cm Übliche Fänge in der Ostsee liegen bei 25 bis 35 cm
Merkmal
orange bis rote Punkte Dazu 4 bis 7 Knochenhöcker zwischen Augen und Seitenlinie
Haut
glatt Flunder und Kliesche fühlen sich rau an
Alle 14 Angaben
Laichzeit
Winter bis Frühjahr Im Meer bei 4 bis 7 Grad, Eier und Larven treiben frei im Wasser
Wachstum
langsam Eine maßige Scholle ist bereits mehrere Jahre alt
Nahrung
Muscheln, Würmer, Krebse Frisst mit dem Maul im Sand und beißt Muscheln die Siphone ab
Lebensraum
Sandgrund von Nord- und Ostsee Braucht weichen Boden zum Eingraben, meidet Brackwasser
Geschlechtsreife
Männchen mit 2, Weibchen mit 4 Jahren Weibchen ab etwa 30 cm, also erst über dem Mindestmaß
Alter
über 30 Jahre möglich Ein 40er Fisch hat oft 10 Jahre hinter sich
Maximales Gewicht
bis 7 kg Ostseefische wiegen meist 200 bis 500 g
Hauptsaison
August bis November

Die Punkte sind das bekannteste Merkmal, aber nicht das verlässlichste. Bei Fischen aus trübem Wasser sind sie blass, bei manchen fast unsichtbar. Die glatte Haut und die Knochenreihe bleiben dagegen immer.

Wo Plattfische stehen

Sie folgen der Nahrung und dem Sand. Muscheln, Würmer und Krebse leben dort, wo der Grund weich genug ist, und die Fische stehen an dessen Rändern.

Heller sauberer Sandgrund in flachem Ostseewasser mit Rippelmarken, dazwischen eine flache Mulde und einzelne Muschelschalen

Der Grund, in dem sie verschwindet

Auf so einem Grund ist eine Scholle kaum zu finden. Sie gräbt sich ein, bis nur die Augen herausschauen, und passt ihre Färbung dem Untergrund an.

Die flache Mulde im Bild ist der Abdruck eines Fisches, der eben noch dort lag. Solche Stellen zeigen, dass die Bank besetzt ist, auch wenn nichts zu sehen ist.

Feiner Sand mit Rippelmarken: dort liegt sie eingegraben. AI-Bild

Wo Scholle steht

3 Ansichten

verbautes Ufer, Hafenbecken

Hafeneinfahrt 1 Fahrrinne 2 Kaimauer 3 Steinpackung 4
  1. Hafeneinfahrt

    Vor der Einfahrt liegt meist noch sauberer Sand, bevor der Schlick beginnt. Genau dort endet ihr Revier und beginnt das der Flunder.

  2. Fahrrinne

    Eine frisch ausgebaggerte Fahrrinne hat harten Sandgrund und Tiefe. Beides nimmt sie an, solange kein Schlamm nachgesackt ist.

  3. Kaimauer

    Der Streifen vor der Kaimauer ist von der Schiffsschraube blank gespült. Ein Wurf entlang der Wand trifft diesen Sandstreifen.

  4. Steinpackung

    Sie hält sich vor der Schüttung auf, nicht darin. Krebse und Würmer, die zwischen den Blöcken leben, spült die Welle heraus.

Gewässertyp im Lexikon: Kanal Hafen

Auch auf der Karte, hier aber zweite Wahl: Brückenpfeiler, Liegeplätze.

Der wichtigste Faktor ist Bewegung im Wasser. Bei spiegelglatter See wird kaum etwas aus dem Sand gespült, bei auflandigem Wind dagegen viel. Deshalb ist der ungemütliche Tag mit Welle der bessere, und deshalb ist Brandungsangeln eine Herbst- und Winterdisziplin.

Das Auge, das über den Kopf wandert

Eine frisch geschlüpfte Scholle sieht aus wie jeder andere Fisch. Sie schwimmt aufrecht im Freiwasser und trägt je ein Auge auf jeder Kopfseite. Nach einigen Wochen beginnt eine der außergewöhnlichsten Umbauten im Tierreich.

Junge Scholle in der Umwandlung, ein Auge steht noch auf der Kopfoberseite

Das Auge auf Wanderschaft

In diesem Stadium ist die Scholle weder das eine noch das andere. Sie schwimmt noch aufrecht, aber das linke Auge hat die Schädeldecke bereits halb überquert und steht oben auf dem Kopf.

Der Umbau greift tiefer, als das Bild zeigt. Schädelknochen, Maulwinkel und Nervenbahnen verdrehen sich mit, und die abgewandte Hälfte verliert ihr Pigment. Läuft davon etwas unvollständig ab, entstehen die beidseitig gefärbten Fische, die Kutterangler gelegentlich mitbringen.

Wenige Wochen nach dem Schlüpfen kippt der Fisch auf die Seite. AI-Bild

Der Fisch legt sich auf die linke Seite und sinkt zum Grund. Gleichzeitig wandert das linke Auge über die Schädeldecke auf die rechte Seite, der Schädel verdreht sich, das Maul verzieht sich, und die Färbung teilt sich in eine pigmentierte Ober- und eine weiße Unterseite. Am Ende ist aus einem Freiwasserfisch ein Bodenbewohner geworden, der sich im Sand eingräbt und nur die Augen herausschauen lässt.

Diese Entwicklung erklärt auch, warum gelegentlich verkehrt herum liegende oder beidseitig gefärbte Exemplare auftauchen. Es sind Fische, bei denen der Umbau unvollständig verlief.

Ein Maß an der Ostsee, EU-Recht in der Nordsee

Bei den Plattfischen ist die Landesverordnung dünn, weil das Meer nicht dem Binnenfischereirecht folgt.

Schonzeit und Mindestmaß nach Bundesland

1 Bundesländer, überall 25 cm Mindestmaß

Schonzeit und Mindestmaß für Scholle nach Bundesland
Bundesland Schonzeit Maß, Mindestmaß in Zentimetern
Mecklenburg-Vorpommern Nur an der Küste keine Schonzeit 25 cm

Alle Angaben aus den Landesfischereiverordnungen, Stand und Quelle je Land auf der jeweiligen Schonzeiten-Seite. Der Status gilt für 11.10.2026.

Ohne Gewähr, und dein Erlaubnisschein darf strenger sein

Diese Tabelle gibt den Stand der Landesverordnungen wieder und ist keine Rechtsauskunft. Verein, Pächter und Gewässerordnung dürfen zusätzliche Schonzeiten, größere Mindestmaße und Entnahmefenster festlegen, und sie tun es häufig. Verbindlich ist immer das Papier, das du am Wasser dabei hast.

25 cm Mindestmaß in der Ostsee
4 bis 7 Knochenhöcker hinter dem Auge
wandert das linke Auge in der Jugend

Mecklenburg-Vorpommern nennt 25 cm für die Küstengewässer, für die Nordsee gelten EU-Vorgaben. Eine Schonzeit gibt es nicht, wohl aber Fangbeschränkungen in einzelnen Gebieten. Wer an der Küste angelt, prüft die Regelung des jeweiligen Bundeslandes und, bei Kutterfahrten, die Angaben des Betreibers.

Sicher bestimmen mit einem Fingerstrich

Drei rechtsäugige Plattfische kommen an unseren Küsten regelmäßig vor, und ihre Maße unterscheiden sich. Die Bestimmung dauert eine Sekunde, wenn du weißt, worauf du achtest.

Scholle, Flunder oder Kliesche?

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Die Haut entscheidet fast immer. Glatt bedeutet Scholle, rau entlang der Seitenlinie bedeutet Flunder, durchgehend rau bedeutet Kliesche. Erst wenn das unklar bleibt, lohnt der Blick auf Punkte und Seitenlinienverlauf.

Wie schwer ist eine Scholle von 40 cm?

Bei einem Plattfisch verrät die Länge das Gewicht schlechter als bei einem Rundfisch, weil die Dicke stark schwankt. Die Werte hier sind der Mittelwert für eine Ostseescholle.

Länge, Gewicht und Mindestmaß

Richtwerte

Scholle: Gewicht nach Länge

  • 25 cm 180 g
  • 30 cm 320 g
  • 35 cm 510 g
  • 40 cm 770 g
  • 45 cm 1,1 kg
  • 50 cm 1,5 kg
  • 60 cm 2,7 kg

Mindestmaß, wo es eins gibt

Alle übrigen Bundesländer führen für diese Art kein Mindestmaß. Der Erlaubnisschein deines Gewässers kann trotzdem eins nennen, und er gilt zusätzlich.

Richtwert aus einer Längen-Gewichts-Beziehung, nicht gewogen. Ein Fisch aus einem mageren Fluss liegt darunter, einer vor der Laichzeit darüber. Sobald genug Fänge mit Gewicht gemeldet sind, rechnet diese Kurve mit den echten Fischen.

Wie alt ist eine Scholle von 35 cm?

Kaum ein heimischer Meeresfisch wächst so gemächlich. Die Spannen unten stammen aus Altersbestimmungen an Nord- und Ostseeschollen und trennen sich mit den Jahren immer weiter auf.

Wachstum: Alter und Länge

bis 58 cm
  • 1 Jahr 8 bis 12 cm
  • 2 Jahre 13 bis 18 cm
  • 3 Jahre 18 bis 24 cm
  • 4 Jahre 22 bis 29 cm
  • 5 Jahre 26 bis 33 cm
  • 7 Jahre 32 bis 40 cm
  • 10 Jahre 38 bis 48 cm
  • 15 Jahre 45 bis 58 cm

Ein Fisch von 35 cm liegt damit bei sieben bis neun Jahren. Schon eine gerade maßige Scholle von 25 cm hat vier bis fünf Winter hinter sich, und das ist der eigentliche Grund, warum Fangbeschränkungen bei dieser Art so schnell greifen.

Was die Meldungen zur Scholle zeigen

Das Fangbuch der Community liefert für diese Art folgendes Bild.

Noch zu wenige Meldungen für eine Auswertung

Dazu liegen bisher zu wenige Fänge mit Datum und Revier vor. Sobald genug zusammenkommen, stehen hier die stärksten Monate, die beste Tageszeit und die Reviere mit den meisten Fängen.

Plattfische werden im Verhältnis zu ihrer Häufigkeit selten eingetragen, weil viele Küstenangler ihre Fänge nicht einzeln erfassen. Die Verteilung über das Jahr bleibt trotzdem aussagekräftig, weil sie den Fisch mit sich selbst vergleicht.

Wie diese Fische aussehen, steht darunter, jede Kachel ein gemeldeter Fang mit Revier.

Noch kein Fang mit Foto gemeldet

Hier stehen Fänge aus der Community, sobald der erste öffentlich eingetragen wurde. Jede Kachel führt dann zum Revier dahinter.

Fänge eintragen

Häufige Fragen zur Fischart Scholle

7 Fragen
Wie groß muss eine Scholle sein?

In den deutschen Küstengewässern der Ostsee 25 cm. Für die Nordsee gelten die EU-Vorgaben, die abweichen können. Weil Schollen langsam wachsen, ist ein maßiger Fisch bereits mehrere Jahre alt.

Warum haben Schollen beide Augen auf einer Seite?

Weil sie erst im Lauf ihrer Entwicklung dorthin wandern. Die Larve schwimmt wie jeder andere Fisch aufrecht und hat je ein Auge auf jeder Seite. Nach einigen Wochen legt sie sich auf die linke Seite, und das linke Auge wandert über den Kopf auf die rechte Seite. Auch Schädel und Maul verdrehen sich dabei.

Wie unterscheide ich Scholle und Flunder?

Über die Haut. Die Scholle ist glatt und trägt orange bis rote Punkte, die Flunder hat raue Knochenwarzen entlang der Seitenlinie und an den Flossenansätzen. Ein Strich mit dem Finger über die Augenseite genügt.

Was ist eine Kliesche?

Ein weiterer rechtsäugiger Plattfisch, kleiner als die Scholle und auf der ganzen Augenseite rau. Ihr sicherstes Merkmal ist die Seitenlinie, die sich über der Brustflosse stark nach oben biegt. Bei der Scholle verläuft sie fast gerade.

Wann ist die beste Zeit für Schollen?

Vom Spätsommer bis in den Herbst, wenn die Fische nach der Laichzeit wieder in flachere Bereiche ziehen und sich Reserven anfressen. Auflandiger Wind und leichte Trübung verbessern die Chancen deutlich.

Wie groß wird eine Scholle?

Bis etwa 70 cm und 7 kg, bei einem Alter von über 30 Jahren. Übliche Fänge in der Ostsee liegen bei 25 bis 35 cm und 200 bis 500 g, ein 40er hat oft 10 Jahre hinter sich.

Was ist eine Maischolle?

Ein Begriff aus Küche und Handel für die ersten Schollen der Saison ab Mai, keine eigene Art. Nach der Laichzeit im Winter ist der Fisch im Mai noch mager, fest und fett wird das Fleisch erst im Spätsommer. Am Wasser ist es dieselbe Scholle wie im Oktober.

Quellen und Stand

2 Quellen
  1. Fischbestände online, Thünen-Institut für Ostseefischerei Jährlich aktualisierte Bestandsbewertungen für Nord- und Ostsee
  2. Rote Liste der Meeresfische Deutschlands Rote-Liste-Zentrum im Auftrag des Bundesamts für Naturschutz, abgerufen am 09.09.2026

Zuletzt geprüft am . Fischereirecht ist Landesrecht, verbindlich ist immer der Erlaubnisschein deines Gewässers.

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René Seidel

Zusammengestellt von

René Seidel

Ich angle seit 2002: angefangen mit acht Jahren an den Weihern, die mein Vater gepachtet hatte, heute vor allem am Neckar bei Heilbronn, an der Wörnitz und am Main. Mit CatchHub baue ich die Angel-Community, in der ich meine Praxis am Wasser mit echten Fangdaten zusammenbringe.

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