Langgestreckter Stausee mit Staumauer am unteren Ende und flacher Stauwurzel am Zufluss AI
Gewässerart

Angeln am Stausee: Längszonierung und Standplätze

Ein Stausee ist ein Fluss, der langsam geworden ist. Er hat noch eine Richtung, und deshalb sieht er am oberen Ende völlig anders aus als an der Mauer. Wer diese Gliederung liest, sucht nicht das ganze Becken ab.

Kurz gesagt

  • Ein Stausee ist das Wasser hinter einem Stauwerk. Talsperre und Stausee sind deshalb keine zwei Gewässertypen, sondern Bauwerk und Becken.
  • Fischereilich hilft die Funktion weiter: der Stausee ist der Durchflussstau mit kurzer Verweilzeit, die Talsperre der Speicher, der sein Wasser Monate bis Jahre hält.
  • Weil das Wasser durchläuft, gliedert sich ein Stausee längs. Vom Zufluss zur Mauer nehmen Strömung und Trübung ab, während Tiefe und Ruhe zunehmen.
  • Das eingestaute Flussbett zieht als Rinne durch das ganze Becken und ist beim Angeln am Stausee die einzige Struktur, die kein Wasserstand verschiebt.
  • Am oberen Ende lagert sich ab, was der Zufluss mitbringt. Dort entstehen die Flachwasserzonen mit Pflanzen, die dem übrigen Becken fehlen.

Ein Fluss mit angezogener Handbremse

Ein Stausee entsteht, wenn ein Fluss aufgestaut wird. Das Wasser läuft weiter, nur langsamer, und genau diese Restrichtung unterscheidet ihn von jedem gewachsenen See. Er ist nicht rund, sondern langgezogen, folgt dem alten Tal und schickt Seitenarme in die Nebentäler.

längs gegliedert vom Zufluss zur Mauer
Tage bis Wochen bleibt das Wasser im Becken
das alte Flussbett ist die verlässlichste Linie

Steckbrief Stausee

Entstehung
aufgestauter Flusslauf mit kurzer Verweilzeit des Wassers Bei sehr kurzer Verweilzeit spricht die Fachsprache von einem Flusssee
Typische Tiefe
5 bis 30 m Am tiefsten an der Mauer, am flachsten an der Stauwurzel
Grund
Schlamm über dem alten Flussbett Am oberen Ende gröber, weil dort das Geschiebe liegen bleibt
Strömung
vorhanden, aber langsam Sie nimmt vom Zufluss zur Mauer hin stetig ab
Schichtung
vorhanden, durch den Durchfluss schwächer als im See Bei sehr kurzer Verweilzeit bleibt der Wasserkörper durchmischt
Typische Arten
Zander, Wels, Brassen, Barsch An der Stauwurzel kommen Arten des Flusses dazu
Zugang
Verein oder Betreiber, am Absperrbauwerk gesperrt Der Gemeingebrauch ist an Stauanlagen nicht selbstverständlich

Der Begriff selbst führt allerdings in die Irre. Fachlich ist die Talsperre das Bauwerk und der Stausee das Wasser dahinter, es sind also nicht zwei Gewässertypen. Für das Angeln trägt eine andere Trennung, nämlich Speicher gegen Durchfluss. Wo das Wasser Monate bis Jahre bleibt, verhält sich das Becken wie ein See; wo es in Tagen durchläuft, bleibt es ein langsamer Fluss. Diese Seite beschreibt den zweiten Fall, die Talsperre den ersten.

Woran du einen Stausee erkennst

Vier Merkmale trennen ihn von einem gewachsenen See.

Stausee im Querschnitt

4 Merkmale

Ein Stausee sieht auf den ersten Blick aus wie ein See und verhält sich wie ein langsamer Fluss. Vier Merkmale zeigen den Unterschied.

1 2 3 4
  1. Am unteren Ende steht ein Bauwerk

    Mauer, Wehr oder Damm halten das Wasser zurück. Dass es überhaupt eines gibt, ist der sicherste Hinweis: ein gewachsener See braucht kein Absperrbauwerk.

  2. Der Grundriss folgt dem alten Tal

    Ein Stausee ist selten rund. Er zieht sich in die Länge, hat Seitenarme in den Nebentälern und wird zum oberen Ende hin immer schmaler.

  3. Unten liegt der frühere Flusslauf

    Die Rinne des eingestauten Flusses zieht durch das ganze Becken. Sie ist die tiefste Linie und verschiebt sich nicht mit dem Wasserstand.

  4. Das Wasser läuft weiter

    Anders als in einem See fließt hier ständig Wasser durch. Deshalb ist die Schichtung schwächer, und bei sehr kurzer Verweilzeit bildet sie sich gar nicht erst.

Leicht zu verwechseln mit

3 Typen

Drei Gewässer, die dem Stausee nahestehen. Eines davon ist streng genommen dasselbe.

Stausee, Talsperre, See oder Fluss

Drei dieser vier Begriffe werden im Alltag beliebig getauscht. Was sie trennt, ist einmal ein Bauwerk, einmal die Verweilzeit und einmal die Strömung.

Stausee und die Nachbarn

4 Typen
Typ Entstehung Tiefe Sichttiefe Was du zuerst suchst
Stausee diese Seite aufgestauter Flusslauf mit kurzer Verweilzeit des Wassers 5 bis 30 m mittel das alte Flussbett und den Einlauf
Talsperre Speicher hinter einem Bauwerk, das den ganzen Talquerschnitt sperrt 10 bis 60 m hoch die alte Talsohle und die Hangkanten
See natürlich entstanden, fast immer eiszeitlich geformt 3 bis 40 m mittel die Krautkante und die Scharkante dahinter
Fluss gewachsener Lauf mit 100 bis 10.000 km² Einzugsgebiet 1 bis 8 m gering den Kolk am Prallhang

Drei Zonen von oben nach unten

Der wichtigste Unterschied zum See liegt darin, dass ein Stausee eine Richtung hat. Vom Zufluss bis zur Mauer ändern sich Strömung, Trübung, Tiefe und Nahrungsangebot, und mit ihnen der Fischbestand.

Die Stauwurzel

Am oberen Ende ist der Stausee noch Fluss. Strömung, Trübung und Geschiebeeintrag prägen ihn, und hier liegen die Flachwasserzonen mit Pflanzen.

StrömungLaichplatz

Der Übergang

In der Mitte verliert das Wasser seine Kraft. Was es getragen hat, sinkt ab, und aus dem Fluss wird schrittweise ein Stillgewässer.

SedimentKante

Der Staubereich

Vor der Mauer ist der Stausee am tiefsten und ruhigsten. Hier schichtet er sich am ehesten, und hier steht das Freiwasser im Vordergrund.

TiefeFreiwasser

Die Rinne durch alles

Der alte Flusslauf zieht als Vertiefung von der Stauwurzel bis zur Mauer. Er verbindet die drei Zonen und ist der Weg, auf dem sich die Fische bewegen.

ganzjährig

Für die Praxis heißt das, dass derselbe Stausee an beiden Enden zwei verschiedene Gewässer sein kann. An der Stauwurzel liegt ein langsamer Fluss mit Kraut und Strömung, an der Mauer ein tiefes Stillwasser mit Freiwasserfischen. Wer das nicht trennt, sucht ein Becken ab, statt eine Zone zu wählen.

Flache Stauwurzel eines Stausees, in der der Fluss mit sichtbarer Strömung einmündet und Sandbänke ablagert

Die Stauwurzel ist noch halb Fluss

Wo der Fluss in den Stau einläuft, verliert er seine Geschwindigkeit und lässt fallen, was er trägt. Sandbänke wachsen, das Wasser bleibt in Bewegung, und die Arten des Flusses finden hier noch ihre Bedingungen.

Die Stauwurzel ist der Abschnitt mit dem meisten Leben und der geringsten Tiefe. Wer dort fischt, fischt einen Fluss ohne Strömung.

Am oberen Ende ist der Stausee flach, strömend und trüb. Hier laichen die Flussfische. AI-Bild

Wo der Fisch im Stausee steht

Die Rangfolge unter der Karte folgt dem, was unabhängig vom Betrieb gilt.

Wo der Fisch an diesem Gewässertyp steht

1 Ansicht

Stillwasser: Baggersee, Weiher, Talsperre

Scharkante 1 Zufluss 2 Krautfeld 3 Totholz 4 Freies Wasser 5
  1. Scharkante

    Das alte Flussbett ist die Leitlinie des ganzen Beckens. Es liegt unter jedem Wasserstand, verbindet alle Zonen und wird von den Fischen als Wanderweg genutzt.

  2. Zufluss

    An der Stauwurzel kommt frisches, sauerstoffreiches Wasser an und bringt Nahrung mit. In heißen Wochen ist das der aktivste Bereich des Sees.

  3. Krautfeld

    Pflanzenbestände wachsen fast nur im flachen oberen Teil. Wo sie stehen, laichen Hecht und Weißfisch, und dort wächst der Nachwuchs auf.

  4. Totholz

    Beim Fluten blieben Stubben, Mauern und alte Wege stehen. Sie sind in einem sonst weichgründigen Becken die einzige feste Deckung.

  5. Freies Wasser

    Im tiefen Teil vor der Mauer zieht der Weißfisch im offenen Wasser, und die Räuber folgen. Ohne Boot ist diese Zone kaum zu befischen.

Gewässertyp im Lexikon: See Baggersee Weiher

Auch auf der Karte, hier aber zweite Wahl: Schilfgürtel, Seerosenfeld, Untiefe im Freiwasser, Steg.

Warum das alte Flussbett zählt

Von allen Strukturen eines Stausees ist die Rinne des eingestauten Flusses die verlässlichste, und dafür gibt es drei Gründe.

Sie liegt unter jedem Wasserstand, während alles am Ufer mit dem Pegel wandert. Sie ist die Achse, an der sich die Längsgliederung ausrichtet, weil der Resttransport aus dem Zufluss ihr folgt. Und sie bleibt hart, weil Vorsperren das Feinsediment zurückhalten und der Grund dort gröber ausfällt als in der Fläche daneben.

Damit ist sie zugleich ein Wanderweg. Fische, die zwischen den Zonen wechseln, folgen der tiefsten Linie, und wer sie kennt, findet sie unabhängig von der Jahreszeit.

Bei Niedrigstand freigelegter Grund eines Stausees, in dem sich das alte, gewundene Flussbett als Rinne im Schlick abzeichnet

Das alte Flussbett liegt noch da

Unter dem Stausee liegt der ursprüngliche Fluss mit seinem Bett, seinen Kurven und seinen Kolken. Die Rinne ist der tiefste Teil der Fläche, und sie führt den Durchfluss auch bei vollem Stau.

Ein Stausee ist deshalb leichter zu lesen als ein See. Wer weiß, wo der Fluss lief, kennt die Kante, an der der Fisch steht.

Bei Niedrigwasser zeigt der Stausee, wo der Fluss früher lief. Diese Rinne ist der Standplatz. AI-Bild

Was der Betrieb ändert

Ein Stausee ist ein technisches Bauwerk mit einem Zweck, und der bestimmt seinen Tagesablauf. Wird zur Stromerzeugung, zum Hochwasserschutz oder zur Wasserabgabe reguliert, ändern sich Wasserstand, Durchfluss und Schichtung innerhalb von Stunden.

Für den Angler ist das keine Störung, sondern eine Information. Ein erhöhter Abfluss zieht Wasser durch das Becken und bringt Bewegung in die Rinne, ein abgesenkter Pegel konzentriert die Fische auf die verbliebenen Tiefen. Wer regelmäßig an einem gestauten Gewässer fischt, lernt das Regime mit und plant danach.

Staumauer eines Flussstausees mit überlaufendem Wasser und Turbulenz im Tosbecken darunter

Am Wehr geht das Wasser weiter

Ein Stausee speichert nicht, er verzögert. Das Wasser braucht vom Zulauf bis zum Wehr wenige Tage, und dann läuft es über oder durch das Bauwerk wieder ab.

Unterhalb des Wehrs ist die Strömung am stärksten und der Sauerstoff am höchsten. Dort, im Auslauf, stehen die Fische, die den Weg nach oben nicht mehr finden.

Der Stausee lässt sein Wasser in Tagen durch. Unterhalb des Wehrs beginnt der Fluss neu. AI-Bild

Was an Stauseen gemeldet wird

Gestaute Gewässer sind in der Datenbank gut vertreten. Die folgenden Zahlen kommen aus den Meldungen an genau diesen Revieren.

Aus 14 gemeldeten Fängen

08/2026 bis 09/2026 · 5 Gewässer · Stand 10.10.2026

Diese Zahlen stammen aus Fängen, die Angler selbst in CatchHub eingetragen haben. Sie zeigen, was gemeldet wurde, nicht was in einem Gewässer lebt. Niemand meldet Tage ohne Fang, deshalb sind es Fangzahlen und keine Fangchancen.

Wo du Stauseen findest

Gestaut wird dort, wo Gefälle und Bedarf zusammenkommen, also vor allem in den Mittelgebirgen und an den größeren Flüssen.

73 Reviere dieses Typs
14 m mittlere Tiefe, 2 bis 66 m
120 ha mittlere Fläche

Reviere je Region

Gezählt werden Reviere, die in CatchHub den Typ Stausee tragen; ein Revier kann mehrere Typen haben. Tiefe und Fläche stehen nicht bei jedem Revier: die Werte oben sind die Mitte der Reihe aus 31 Tiefenangaben und 50 Flächenangaben. Stand 10.10.2026.

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Stausee aus der Community

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Häufige Fragen zur Gewässerart Stausee

10 Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Stausee und Talsperre?

Die Talsperre ist das Bauwerk, der Stausee das Wasser dahinter. Zwei Gewässertypen sind es fachlich nicht. Was sich fürs Angeln unterscheiden lässt, ist die Funktion: ein Speicher hält sein Wasser Monate bis Jahre, ein Durchflussstau nur Tage bis Wochen.

Warum gliedert sich ein Stausee der Länge nach?

Weil das Wasser eine Richtung hat. Am Zufluss ist es noch schnell, trüb und nährstoffreich, an der Mauer langsam, klarer und tief. Zwischen beiden liegt eine Übergangszone, in der sich absetzt, was der Zufluss mitgebracht hat.

Wo fange ich an einem unbekannten Stausee an?

An der Stauwurzel und auf dem alten Flussbett. Die Stauwurzel ist der flachste, nahrungsreichste und pflanzenreichste Teil, und das eingestaute Flussbett zieht als Rinne durch das gesamte Becken. Beides findet sich auf einer Karte, bevor die erste Rute im Wasser liegt.

Schichtet sich ein Stausee wie ein See?

Schwächer. Durch den ständigen Durchfluss wird der Wasserkörper immer wieder gestört, und bei sehr kurzer Verweilzeit bildet sich gar keine stabile Schichtung. Als Faustregel gilt: je länger das Wasser bleibt, desto seeähnlicher verhält er sich.

Was ändert der Betrieb?

Viel, und oft über Nacht. Wird zur Stromerzeugung oder zum Hochwasserschutz abgelassen, ändern sich Wasserstand, Durchflussgeschwindigkeit und Temperaturschichtung innerhalb von Stunden. Wer regelmäßig an einem Stausee fischt, lernt das Betriebsregime mit.

Welche Fische leben im Stausee?

Im tiefen Teil vor allem Zander, Barsch, Brassen und Wels, an der Stauwurzel kommen die Arten des Flusses dazu. Weil sich beide Bereiche stark unterscheiden, kann derselbe See am oberen und am unteren Ende zwei verschiedene Bestände tragen.

Warum ist die Stauwurzel so wertvoll?

Weil dort alles zusammenkommt, was ein Stausee sonst nicht hat: Strömung, Nahrungseintrag, flaches Wasser und Pflanzenbewuchs. Der Zufluss bringt außerdem im Sommer kühleres und sauerstoffreicheres Wasser mit.

Wo verläuft die Grenze zum Flussstau?

Bei der Verweilzeit. Bleibt das Wasser weniger als 30 Tage im Becken, gilt es fachlich als Flusssee und nicht mehr als geschichteter See. Eine Staustufe sperrt außerdem nur den Fluss, während eine Talsperre den gesamten Talquerschnitt schließt.

Darf ich an der Staumauer angeln?

In aller Regel nicht. Absperrbauwerke, Wehre und Auslässe sind Betriebsanlagen, und an ihnen gilt üblicherweise ein Sperrbereich, häufig 50 Meter. Was am konkreten Gewässer erlaubt ist, sagt der Betreiber oder der Erlaubnisschein.

Ist das Wasser im Stausee schlechter als im See?

Anders, nicht schlechter. Der Durchfluss bringt laufend Nährstoffe und Schwebstoffe nach, was den oberen Teil produktiver macht als einen vergleichbaren natürlichen See. Gleichzeitig fehlt die Ruhe, die ein See braucht, um klares Tiefenwasser aufzubauen.

Quellen und Stand

3 Quellen
  1. Typisierungssystem für Seen (LAWA) Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft Wasser. Die Abgrenzung der Flussseen über die Verweilzeit und die Seetypen, die fast ausschließlich Stauhaltungen enthalten.
  2. Talsperren-Fischerei: Jahresbericht 2023 Ruhrverband. Aufbau und Fischbestand gestauter Gewässer, die Rolle der Stauwurzel als einzige verlässliche Flachwasserzone und die Wirkung schwankender Wasserstände.
  3. Wassergütebericht 2023 Wahnbachtalsperrenverband. Gemessene Verweilzeiten, Schichtungsverlauf und Sauerstoffprofile eines gestauten Gewässers.

Zuletzt geprüft am . Fischereirecht ist Landesrecht, verbindlich ist immer der Erlaubnisschein deines Gewässers.

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René Seidel

Zusammengestellt von

René Seidel

Ich angle seit 2002: angefangen mit acht Jahren an den Weihern, die mein Vater gepachtet hatte, heute vor allem am Neckar bei Heilbronn, an der Wörnitz und am Main. Mit CatchHub baue ich die Angel-Community, in der ich meine Praxis am Wasser mit echten Fangdaten zusammenbringe.

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