Moorsee mit braunem Wasser, Torfmoosrand und Schwingrasen am Ufer AI
Gewässerart

Angeln am Moorsee: braunes Wasser, Säure und Schutz

Ein Moorsee ist braun wie kalter Tee, und fast jeder liest das falsch. Die Farbe kommt nicht von Algen, sondern von gelösten Huminstoffen aus dem Torf. Dahinter steht ein nährstoffarmes, saures Gewässer, das gesetzlich geschützt ist.

Kurz gesagt

  • Ein Moorsee ist dystroph. Er ist nährstoffarm, kalkarm und reich an gelösten Huminstoffen aus dem Torf seiner Umgebung.
  • Die Braunfärbung stammt von Humin- und Fulvosäuren, nicht von Algen. Ein Moorsee kann bei 1 m Sichttiefe nährstoffarm sein.
  • Der pH-Wert liegt typisch zwischen 3 und 6. Welche Fische dort leben und beim Angeln am Moorsee beißen, entscheidet ihre Säuretoleranz, und der Barsch hat die höchste.
  • Viele natürliche Moorseen sind von sich aus fischarm oder fischfrei. Was dort schwimmt, ist häufig eingebracht.
  • Dystrophe Stillgewässer sind nach § 30 BNatSchG unmittelbar geschützt. Kalken und Besetzen gilt als Gefährdung des Lebensraums, nicht als Hege.

Braun heißt nicht nährstoffreich

Ein Moorsee ist dystroph, und das Wort trägt die ganze Sache. Dystroph bedeutet nährstoffarm, basen- und kalkarm, elektrolytarm, dabei reich an gelösten Huminstoffen aus dem Torf der Umgebung. Der Lebensraumtyp dazu heißt „Dystrophe Seen und Teiche" und beschreibt naturnahe Gewässer mit sehr nährstoff- und basenarmem, durch Huminstoffe braun gefärbtem Wasser.

pH 3 bis 6 ist der typische Bereich
nährstoffarm trotz brauner Färbung
§ 30 schützt den Lebensraum unmittelbar

Steckbrief Moorsee

Entstehung
in einem Moorkörper entstanden, gespeist aus dem Moor Kein Zulauf von außen, das Wasser bringt die Stoffe des Torfs mit
Typische Tiefe
2 bis 8 m Oft trichterförmig, mit wenigen tiefen Stellen
Grund
Torf und Faulschlamm Kein Kies, damit kein Substrat für Kieslaicher
pH-Wert
typisch 3 bis 6 Organische Säuren aus dem Torf, nicht saurer Regen
Trophie
meist oligotroph bei geringer Sichttiefe Eine Kombination, die in klaren Seen nicht vorkommt
Typische Arten
Barsch, Hecht, Rotfeder Die drei Arten mit der höchsten Säuretoleranz
Zugang
geschütztes Biotop nach § 30 BNatSchG, häufig gesperrt Der Schutz gilt ohne eigene Schutzgebietsverordnung

Die Farbe kommt von Humin- und Fulvosäuren, nicht von Algen. Das hat eine Folge, die fast jeder falsch liest. Die Sichttiefe, sonst der schnellste Hinweis auf die Produktivität eines Sees, sagt hier nichts darüber. Die amtlichen Orientierungswerte für die Sichttiefe wurden ausdrücklich unter Ausschluss huminstoffgefärbter Seen hergeleitet, weil sie sonst zu irreführenden Ergebnissen führen.

Praktisch heißt das: ein Moorsee mit 1 m Sichttiefe kann nährstoffarm sein. Die Kombination aus schlechter Sicht und geringer Produktivität gibt es in klaren Seen nicht, und genau deshalb wird sie verwechselt.

Eine Einschränkung gehört dazu. Liegen entwässerte, degradierte Moore im Einzugsgebiet, tragen sie Phosphor aus, und dann können auch in einem huminstoffgeprägten See höhere Werte auftreten. Ein naturnaher Moorsee ist nährstoffarm, ein entwässerter nicht zwangsläufig.

Woran du einen Moorsee erkennst

Drei der vier Merkmale liegen am Rand, und das passt zum Gewässer, denn der Rand ist hier der lebendigste Teil.

Moorsee im Querschnitt

4 Merkmale

Ein Moorsee ist an vier Stellen zu erkennen, und drei davon liegen am Rand, nicht im Wasser.

1 2 3 4
  1. Der Rand schwimmt

    Torfmoose, Wollgras und Schnabel-Segge bilden eine Decke, die auf dem Wasser aufliegt. Dieser Schwingrasen ist kein Ufer, er trägt nicht zuverlässig und gehört zum geschützten Biotop.

  2. Das Wasser ist gefärbt, nicht getrübt

    Huminstoffe lösen sich und färben braun bis bernsteinfarben. Ein Blick in ein Glas zeigt den Unterschied, denn Schwebstoffe fehlen, die Farbe bleibt.

  3. Die Pflanzenzone ist schmal und artenarm

    Weil die Färbung Licht absorbiert, reicht der Wuchsraum nur bis etwa zur zweieinhalbfachen Sichttiefe. Darunter wächst nichts mehr.

  4. Der Grund ist Torf, nicht Schlick

    Faserig, dunkel und ohne jede Körnung. Wo eine Sohle aus Torf und Faulschlamm liegt, fehlt Kieslaichern das Substrat vollständig.

Leicht zu verwechseln mit

3 Typen

Drei Gewässer mit dunklem Wasser, die aus völlig verschiedenen Gründen dunkel sind.

Moorsee, Weiher oder See

Der Vergleich mit den Nachbarn zeigt, wie ungewöhnlich die Mischung aus dunklem Wasser und wenigen Nährstoffen ist.

Moorsee und die Nachbarn

4 Typen
Typ Entstehung Tiefe Sichttiefe Was du zuerst suchst
Moorsee diese Seite in einem Moorkörper entstanden, gespeist aus dem Moor 2 bis 8 m minimal den Torfrand und die wenigen tiefen Löcher
Weiher gewachsenes Flachgewässer ohne Ablass, oft aus einem See verlandet bis etwa 2 m gering die Krautkante und die tiefste Stelle
See natürlich entstanden, fast immer eiszeitlich geformt 3 bis 40 m mittel die Krautkante und die Scharkante dahinter
Altarm abgetrennte Flussschlinge, vom Hauptlauf abgeschnitten 1 bis 4 m gering das Totholz und den Übergang zum Hauptlauf

Was die Farbe mit dem Licht macht

Huminstoffe absorbieren Licht, und zwar kurzwellig am stärksten. Daraus folgt zuerst eine Lichtbegrenzung. Die Zone, in der noch genug Licht für Wachstum ankommt, reicht etwa bis zur zweieinhalbfachen Sichttiefe. Bei 1 m Sicht sind das rund 2,5 m, und darunter wächst nichts mehr.

Entsprechend ist die Wasservegetation meist sehr artenarm. Typisch sind flutende Torfmoose, Wasserschlauch, Wollgras und Schnabel-Segge, und sie bilden einen schmalen Gürtel statt einer Krautzone.

Das zweite Ergebnis betrifft die Temperatur. Die Strahlung wird in der oberen Schicht abgefangen und erreicht die Tiefe nicht. Dunkel gefärbte Seen erwärmen sich deshalb oberflächennah stärker, das Tiefenwasser bleibt kälter, und der Unterschied zwischen den Schichten wächst. Die Schichtung ist damit beständiger als in einem klaren See derselben Tiefe.

Wie schnell sich das verschieben kann, zeigt ein See nördlich von Berlin. Nach Starkregen stieg dort der Gehalt an gelöstem organischem Kohlenstoff innerhalb weniger Monate von 10 auf 50 mg je Liter, das Wasser wurde braun, im Tiefenwasser brach der Sauerstoff ein, und Wasserpflanzen sowie Bodentiere starben ab.

Bernsteinfarbenes, klares Wasser am Ufer eines Moorsees, darunter ist der dunkle Torfgrund und ein versunkener Ast sichtbar

Klar, aber braun

Am Ufer siehst du den Unterschied sofort. Das Wasser hat keine Schwebstoffe, ein Ast darunter ist scharf zu erkennen, und trotzdem verschwindet der Grund nach einem Meter im Braun.

Ein Glas davon bleibt auch nach Stunden bernsteinfarben, während sich ein trüber Weiher darin klärt. Das ist der Test, der Färbung von Trübung trennt.

Das Wasser ist durchsichtig wie Tee. Was die Sicht nimmt, ist die Farbe, nicht die Trübung. AI-Bild

Die Säure wählt die Arten aus

Welcher Fisch in einem Moorsee lebt, entscheidet nicht das Nahrungsangebot, sondern der pH-Wert. Untersuchungen an sauren Seen im deutschen Raum zeigen eine klare Rangfolge, und sie deckt sich mit Ergebnissen aus regenversauerten Weichwasserseen in Skandinavien und den Niederlanden.

Barsch hält am meisten aus

Die robusteste Art im sauren Wasser. Erfolgreiche Reproduktion ist ab pH 4,5 belegt, das Überleben erwachsener Fische noch darunter.

ab pH 4,5

Hecht und Rotfeder kommen mit

Beide finden sich regelmäßig auch in stark sauren Bereichen. Beim Hecht unterscheiden sich die Fangmengen zwischen saurem und neutralem Wasser statistisch nicht.

stark sauer

Rotauge und Güster fallen aus

Das Rotauge ist erst ab pH 5,1 nachgewiesen und laicht erst ab pH 5,5 erfolgreich ab, die Güster erst ab pH 6,1 beziehungsweise 6,5.

ab pH 5,5

Unter pH 3,5 endet alles

Dort setzt spontanes Fischsterben ein. Entscheidend ist dabei nicht der pH allein, sondern das gelöste Aluminium, das bereits unter 0,1 mg je Liter giftig wirkt.

letal

Wie stark sich das auswirkt, zeigt die Zusammensetzung der Fänge entlang des pH-Gradienten. Bei pH 6,6 bis 7,5 stellte das Rotauge 51 Prozent der Fänge und der Barsch 26 Prozent. Bei pH unter 3,5 kehrt sich das Bild um, dort kamen 68 Prozent Barsch, 22 Prozent Rotfeder, 9 Prozent Hecht und 1 Prozent Rotauge zusammen.

Der pH allein erklärt es nicht. Mit sinkendem pH löst sich Aluminium aus dem Boden, und das wirkt bereits unter 0,1 mg je Liter giftig auf Fische. Viel Calcium im Wasser kompensiert den Säurestress dagegen teilweise. Zwei Seen mit demselben pH können deshalb verschiedene Bestände tragen.

Und eine Einordnung, die selten gesagt wird. Der amtliche Vollzugshinweis zum Lebensraumtyp listet als charakteristische Tierarten nur Vögel, Amphibien und Libellen. Fische kommen darin gar nicht vor. Natürliche Hochmoorseen und Moorkolke ohne Zulauf sind häufig fischarm oder ganz fischfrei, und was dort schwimmt, ist in vielen Fällen eingebracht.

Warum „wenige, dafür große Fische" nicht stimmt

Der Satz gehört zu den verbreitetsten über Moorseen, und belegen lässt er sich nicht. Im nährstoffarmen, kalten, sauren Wasser ist eine bessere Wuchsleistung sogar unwahrscheinlich.

Was die Beobachtung trägt, ist etwas anderes. Wo die Reproduktion an der Säure scheitert, fehlen ganze Jahrgänge. Übrig bleibt ein dünner Bestand aus wenigen Fischen, die über Jahre altern und dabei groß werden, während kein Nachwuchs nachrückt. Für den Angler sieht das aus wie ein Gewässer mit Kapitalen. Für den Bestand ist es ein Alarmzeichen, und es macht jede Entnahme schwerer zu verkraften als in einem produktiven See.

Wo der Fisch sich hält

In einem dunklen, strukturarmen Gewässer zählen die wenigen Anhaltspunkte doppelt.

Wo der Fisch an diesem Gewässertyp steht

1 Ansicht

Stillwasser: Baggersee, Weiher, Talsperre

Schilfgürtel 1 Totholz 2 Scharkante 3 Krautfeld 4 Freies Wasser 5
  1. Schilfgürtel

    Der Übergang vom bewachsenen Rand ins offene Wasser ist die deutlichste Kante des ganzen Sees. Deckung und Nahrung liegen dort zusammen, und oft fällt der Grund unmittelbar ab.

  2. Totholz

    In saurem, sauerstoffarmem Wasser zersetzt sich Holz sehr langsam. Versunkene Stämme halten Jahrzehnte und sind in einem strukturarmen See die wertvollste Stelle.

  3. Scharkante

    Viele Moorseen sind trichterförmig, und die Kante zur tiefen Mitte ist der einzige Tiefenwechsel. Sie führt die Fische zwischen Flachzone und Rückzugsraum.

  4. Krautfeld

    Flutende Torfmoose und Wasserschlauch bilden lockere Felder im Flachen. Sie sind das Laichsubstrat für Hecht und Rotfeder, und ohne sie fehlt beiden der Nachwuchs.

  5. Freies Wasser

    Die offene Fläche trägt in einem nährstoffarmen See wenig. Sie lohnt nur, wo sie über die tiefe Mitte führt.

Gewässertyp im Lexikon: See Baggersee Weiher

Auch auf der Karte, hier aber zweite Wahl: Zufluss, Seerosenfeld, Untiefe im Freiwasser, Steg.

Schwingrasen aus Torfmoos, Wollgras und Sonnentau am Ufer eines Moorsees, die Decke liegt direkt auf dem dunklen Wasser auf

Der Rand, der nicht trägt

Torfmoose wachsen vom Ufer aus über das Wasser und bilden eine Decke, die auf ihm aufliegt. Wollgras und Sonnentau siedeln darauf, und von oben sieht das aus wie fester Boden.

Er ist es nicht. Der Schwingrasen ist die Verlandungszone des Moorsees, Teil des geschützten Biotops und für den Angler weder Ufer noch Weg.

Was wie Ufer aussieht, schwimmt. Ein Schritt darauf kann durchbrechen, und der Rand gehört zum Schutzgut. AI-Bild

Schutz ist hier keine Formalie

Moorgewässer sind im Naturschutzrecht doppelt erfasst. Geschützt sind sowohl naturnahe Bereiche stehender Binnengewässer einschließlich ihrer Ufer als auch Moore, Sümpfe und Quellbereiche. Der amtliche Vollzugshinweis stellt dazu klar, dass die Zerstörung oder erhebliche Beeinträchtigung dystropher Stillgewässer grundsätzlich unzulässig ist. Dieser Schutz gilt unmittelbar, ohne dass eine Schutzgebietsverordnung dazukommen muss.

Drei der aufgeführten Gefährdungen treffen Angler unmittelbar. Störungen durch Freizeitnutzung, anthropogene Veränderungen der Uferstruktur und die Kalkung wegen Fischbesatz stehen dort als Gefährdungsfaktoren des Lebensraumtyps.

Daraus folgt dreierlei am Wasser. Die Verlandungszone mit Torfmoosdecke und Schwingrasen ist Teil des geschützten Biotops und kein Uferbewuchs, der freigeschnitten wird. Anfüttern ist in einem Gewässer, dessen Schutzgut „nährstoffarm" lautet, ein Eingriff in das Schutzgut selbst. Und Kalken plus Besetzen ist keine Hege, sondern hebt die Standortbedingung auf, die den Lebensraum überhaupt ausmacht.

Natürlich sauer ist nicht versauert

Zwei Dinge werden häufig vermischt. Ein Moorsee ist von Natur aus sauer, weil organische Säuren aus dem Torf kommen. Die Versauerung durch sauren Regen ist etwas anderes und hat vor allem kalkarme Mittelgebirgsgewässer getroffen.

Dort ist viel erreicht worden. Die atmosphärischen Säureeinträge haben sich in 25 Jahren im Mittel halbiert, und in sieben von acht untersuchten Bächen in versauerungsempfindlichen Gebieten leben heute wieder gesunde Bachforellenbestände. Erledigt ist es nicht, denn bei Schneeschmelze und Starkregen treten örtlich noch Säureschübe mit pH-Werten unter 4 auf.

Beim Moorsee liegt der Fall umgekehrt. Dort ist die Säure das Schutzgut, und ein Vollzugshinweis nennt sogar den Fall, dass sich nährstoffarme Stillgewässer durch fortschreitende Versauerung zu dystrophen Ausprägungen entwickeln. Das wird als Zielkonflikt behandelt, nicht als Gewinn.

Weite Hochmoorfläche mit einem dunklen Moorkolk, Wollgrasbüscheln und einzelnen Birken unter tiefem Himmel

Der Moorsee gehört zu einer Landschaft

Ein Moorsee wird nicht von einem Bach gespeist, sondern vom Moor selbst. Regenwasser sickert durch den Torf, nimmt Huminsäuren auf und sammelt sich in der Senke.

Deshalb hängt der See am Zustand seiner Umgebung. Wird das Moor entwässert, trägt es Nährstoffe aus, und der See verliert genau die Eigenschaft, die ihn schützenswert macht.

Der Kolk im Moor ist ein Gewässer ohne Zulauf. Alles, was er ist, kommt aus dem Torf. AI-Bild

Was an Moorseen gemeldet wird

Meldungen von diesem Typ sind selten, weil viele Gewässer gesperrt und die übrigen klein sind. Bleibt die Auswertung leer, reichen die Daten nicht für eine Verteilung.

Noch zu wenige Meldungen für eine Auswertung

Dazu liegen bisher zu wenige Fänge mit Datum und Revier vor. Sobald genug zusammenkommen, stehen hier die stärksten Monate, die beste Tageszeit und die Reviere mit den meisten Fängen.

Wo du Moorseen findest

Moorseen liegen in den Moor- und Heidegebieten, also schwerpunktmäßig im Nordwesten und in den Voralpen.

Was am Moorsee gilt

Die ersten vier Punkte betreffen den Schutz, der letzte den Bestand.

Was am Moorsee gilt

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Noch kein Fang mit Foto gemeldet

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Häufige Fragen zur Gewässerart Moorsee

11 Fragen
Warum ist das Wasser braun?

Weil Humin- und Fulvosäuren aus dem Torf gelöst sind. Das Wasser ist dabei nicht trüb, sondern gefärbt, ähnlich wie kalter Tee. Schwebstoffe fehlen, und ein Glas davon bleibt auch nach Stunden braun.

Heißt braunes Wasser nährstoffreich?

Nein, und dieser Schluss ist der häufigste Fehler an Moorseen. Die Sichttiefe taugt hier nicht zur Beurteilung, weil sie von gelösten Stoffen statt von Algen bestimmt wird. Die amtlichen Orientierungswerte für die Sichttiefe wurden ausdrücklich unter Ausschluss huminstoffgefärbter Seen hergeleitet. Ein Moorsee ist typisch nährstoffarm bei schlechter Sicht.

Wie sauer ist ein Moorsee?

Der pH-Wert liegt typisch zwischen 3 und 6, in ausgeprägten Fällen zwischen 3 und 5,5. Diese Säure ist natürlich und kommt aus den organischen Säuren des Torfs. Sie hat nichts mit dem sauren Regen zu tun, der vor allem kalkarme Mittelgebirgsgewässer getroffen hat.

Welche Fische leben in einem Moorsee?

Die Frage entscheidet die Säuretoleranz. Der Barsch ist die robusteste Art und laicht ab pH 4,5 erfolgreich ab, Hecht und Rotfeder finden sich ebenfalls regelmäßig in stark sauren Bereichen. Das Rotauge fällt schon ab pH 5,1 nach unten weg, die Güster ab pH 6,1. Unter pH 3,5 überlebt keine Art.

Sind Moorseen von Natur aus fischfrei?

Viele ja. Im charakteristischen Arteninventar dystropher Stillgewässer führt der amtliche Vollzugshinweis nur Vögel, Amphibien und Libellen, keine Fische. Natürliche Hochmoorseen und Moorkolke ohne Zulauf sind häufig fischarm oder fischfrei, und was dort schwimmt, ist in vielen Fällen eingebracht.

Werden die Fische im Moorsee besonders groß?

Belegen lässt sich das nicht, und im nährstoffarmen Wasser wäre das Gegenteil zu erwarten. Was die Beobachtung erklärt, ist ein Ausfall des Nachwuchses. Wo die Reproduktion an der Säure scheitert, bleibt ein dünner Bestand aus wenigen, über Jahre alternden und damit großen Fischen übrig. Das ist kein besseres Wachstum, sondern ein fehlender Jahrgang.

Wie tief wachsen Pflanzen in einem Moorsee?

Sehr flach. Die Zone, in der genug Licht für Wachstum ankommt, reicht etwa bis zur zweieinhalbfachen Sichttiefe. Bei 1 m Sicht sind das rund 2,5 m. Entsprechend ist die Wasservegetation meist sehr artenarm, typisch flutende Torfmoose, Wasserschlauch, Wollgras und Schnabel-Segge.

Bringt Kalken und Besetzen einen Moorsee nach vorn?

Nein, es beseitigt ihn. Der amtliche Vollzugshinweis führt „Kalkung wegen Fischbesatz" als eigenen Gefährdungsfaktor für den Lebensraumtyp. Die Kalkung hebt den pH und zerstört damit genau die Standortbedingung, die den Lebensraum definiert. In einem nach § 30 geschützten Biotop ist das eine erhebliche Beeinträchtigung.

Darf ich an Moorseen angeln?

Häufig nicht. Dystrophe Stillgewässer sind nach § 30 BNatSchG gesetzlich geschützte Biotope, und ihre Zerstörung oder erhebliche Beeinträchtigung ist grundsätzlich unzulässig. Der Schutz gilt unmittelbar, ohne dass eine Schutzgebietsverordnung nötig wäre, und die wichtigsten Vorkommen liegen zusätzlich in Naturschutz- oder FFH-Gebieten.

Hat ein Moorsee eine Sprungschicht?

Oft eine stabilere als ein klarer See gleicher Tiefe. Die braune Färbung fängt die Strahlung in der oberen Schicht ab, sodass sie sich stärker erwärmt, während die Tiefe kühl bleibt. Der Unterschied zwischen den Schichten wird dadurch größer und die Schichtung beständiger.

Gibt es einen offiziellen Seetyp für Moorseen?

Keinen eigenen. Die Gewässerbewertung unterscheidet 14 Seetypen, und huminstoffgeprägte Seen laufen daneben als Sondertyp ohne eigenen Steckbrief. Dazu greift die Bewertung erst ab 50 ha Seefläche, und fast jeder deutsche Moorsee liegt darunter.

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René Seidel

Zusammengestellt von

René Seidel

Ich angle seit 2002: angefangen mit acht Jahren an den Weihern, die mein Vater gepachtet hatte, heute vor allem am Neckar bei Heilbronn, an der Wörnitz und am Main. Mit CatchHub baue ich die Angel-Community, in der ich meine Praxis am Wasser mit echten Fangdaten zusammenbringe.

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