Kurz gesagt
- Ein Tümpel ist ein Kleingewässer mit periodischer Wasserführung: er trocknet mehr oder weniger regelmäßig aus. Das unterscheidet ihn von Weiher und Teich.
- Ein dauerhafter Fischbestand kann dort aus zwei Gründen nicht leben. Das Gewässer fällt im Sommer trocken, und sehr flache Gewässer frieren im Winter bis zum Grund durch.
- Naturnahe Kleingewässer stehen samt Ufer und Verlandungsbereich unter gesetzlichem Schutz, ohne dass sie eigens ausgewiesen sein müssen.
- Auf höchstens einem Prozent der Landesfläche leben in stehenden Kleingewässern rund 5.300 Tierarten, also etwa 13 Prozent der deutschen Fauna.
- Fischbesatz gilt fachlich als die schwerwiegendste Beeinträchtigung dieser Gewässer, und er lässt sich praktisch nicht rückgängig machen.
Ein Gewässer auf Zeit
Was einen Tümpel ausmacht, ist nicht seine Größe, sondern sein Rhythmus. Er führt periodisch Wasser und fällt mehr oder weniger regelmäßig trocken. Diese eine Eigenschaft verlangt von Pflanzen und Tieren völlig andere Anpassungen als ein dauerhaft gefülltes Gewässer, und entsprechend siedelt sich dort eine andere Lebensgemeinschaft an.
Steckbrief Tümpel
- Entstehung
- Kleingewässer mit periodischer Wasserführung Ackersenken, Hochwasserpfützen, Fahrspuren, Moorschlenken
- Typische Tiefe
- unter 1 m Die Fachliteratur zieht die Untergrenze bei etwa einem halben Quadratmeter
- Grund
- Schlamm und Laub Nach dem Trockenfallen mineralisiert er und setzt Nährstoffe frei
- Fischbestand
- keiner, dauerhaft Austrocknen im Sommer, Durchfrieren im Winter
- Ökologische Rolle
- Laichgewässer für Amphibien und Insekten Libellen sind die Leitgruppe, viele Arten stehen auf der Roten Liste
- Zugang
- oft gesetzlich geschützt, kein Angelgewässer Schon eine intensive Freizeitnutzung kann den Schutzstatus kosten
Unter den Begriff fällt eine große Bandbreite: Senken auf dem Acker, Hochwasserpfützen in der Aue, wassergefüllte Fahrspuren, Moorschlenken, Lachen in aufgelassenen Abbaustellen. Die Untergrenze setzt die Fachliteratur bei etwa einem halben Quadratmeter an, und sie nennt diesen Wert selbst willkürlich.
Woran du einen Tümpel erkennst
Der sicherste Test dauert ein Jahr, aber vier Merkmale helfen sofort.
Tümpel im Querschnitt
4 MerkmaleEin Tümpel sieht aus wie ein sehr kleiner Weiher, und der Unterschied zeigt sich erst über das Jahr. Vier Merkmale helfen trotzdem sofort.
-
Sehr flach, sehr klein
Meist unter einem Meter tief und oft nur wenige Quadratmeter groß. Damit erwärmt er sich rasend schnell und kühlt genauso schnell wieder aus.
-
Vegetation bis in die Mitte
Ohne Tiefenzone und ohne Fischfraß wachsen Pflanzen über die ganze Fläche. Genau diese Struktur ist der Lebensraum, um den es geht.
-
Wechselnde Wasserlinie
Der Rand wandert über das Jahr, und im Sommer bleibt oft nur eine feuchte Senke. Diese Trockenphase verlangt Anpassungen, die kein Fisch mitbringt.
-
Kein Zulauf, kein Abfluss
Gespeist wird er von Regen, Hochwasser oder aufsteigendem Grundwasser. Es gibt keine Verbindung, über die Fische einwandern könnten.
Leicht zu verwechseln mit
2 TypenZwei Kleingewässer, die im Alltag denselben Namen bekommen und sich in einem Punkt klar unterscheiden.
Tümpel, Weiher oder Teich
Diese drei Wörter werden im Alltag beliebig getauscht. Fachlich trennen sie sich an klaren Punkten.
Tümpel und die Nachbarn
3 Typen| Typ | Entstehung | Tiefe | Sichttiefe | Was du zuerst suchst |
|---|---|---|---|---|
| Tümpel diese Seite | Kleingewässer mit periodischer Wasserführung | unter 1 m | minimal | nichts, hier wird nicht geangelt |
| Teich | angelegt und ablassbar, meist mit Mönch oder Ablass | 1 bis 3 m | gering | die tiefste Stelle und den Zulauf |
| Weiher | gewachsenes Flachgewässer ohne Ablass, oft aus einem See verlandet | bis etwa 2 m | gering | die Krautkante und die tiefste Stelle |
Der Teich fällt ebenfalls trocken, aber gewollt, im Winter und als Teil der Bewirtschaftung. Beim Tümpel entscheidet das Wetter, und meistens trifft es den Sommer.
Warum dort kein Fisch lebt
Zwei voneinander unabhängige Gründe schließen einen dauerhaften Bestand aus. Der erste ist das Austrocknen selbst. Liegt die Senke im Spätsommer leer, endet jedes Fischleben darin. Der zweite trifft sogar die Gewässer, die Wasser behalten: sehr flache Gewässer frieren im Winter bis zum Grund durch, und auch das überlebt kein Fisch.
Genau darauf beruht der Wert dieses Gewässertyps. Amphibien, Libellen und Wasserkäfer laichen bevorzugt in fischfreiem Wasser, weil ihre Larven dort keine Fressfeinde haben. Die Fischfreiheit ist also kein Mangel, sondern die Bedingung, unter der die ganze Lebensgemeinschaft funktioniert.
Wie viel daran hängt, zeigt eine Zahl aus der Naturschutzfachliteratur. Stehende Kleingewässer nehmen höchstens ein Prozent der Landesfläche ein und beherbergen rund 5.300 Tierarten, also etwa 13 Prozent der deutschen Fauna.
Im Spätsommer bleibt oft nur der Boden
Der Tümpel trocknet regelmäßig aus, und genau das macht ihn zu dem, was er ist. Libellenlarven, Wasserflöhe und Amphibien haben Strategien dafür, ein Fisch hat keine.
Deshalb ist die Fischfreiheit hier kein Mangel, sondern die Voraussetzung für alles, was dort lebt.
Was hier den Sommer überstehen soll, braucht Eier, die Trockenheit aushalten. Ein Fisch kann das nicht. AI-Bild
Was Fischbesatz anrichtet
Der Gedanke liegt nahe: ein kleines Gewässer, ein paar Fische hinein, fertig ist die Angelstelle. Fachlich gilt genau das als die häufigste und schwerste Beeinträchtigung, die einem Kleingewässer zustoßen kann, und die Wirkung läuft über vier Wege.
Fraß an Laich und Larven
Fische fressen Amphibienlaich und Kaulquappen. In kleinen Gewässern, die als Laichplatz dienen, kann ein Besatz den Nachwuchs eines ganzen Jahres auslöschen.
Verlust der Wirbellosen
Libellenlarven und Wasserkäfer brauchen Verstecke. Bei Kleiner Binsenjungfer und Gemeiner Winterlibelle führt stärkerer Fischbesatz zum Erlöschen der Vorkommen.
Trübung durch Gründeln
Wühlende Fische trüben das Wasser ein, die Unterwasservegetation geht zurück, und damit fallen genau die Verstecke weg, von denen der Rest lebt.
Und dann kommt der Ausbau
Mit dem Besatz folgen meist Fütterung, Kalkung, Uferbefestigung und Entkrautung. Aus dem Kleingewässer wird ein kleiner Teich, und der Schutzgegenstand ist weg.
Zwei Dinge kommen erschwerend hinzu. Eingesetzte Fische lassen sich aus einem Kleingewässer praktisch nicht mehr vollständig entfernen, der Eingriff ist also kaum umkehrbar. Und beim nächsten Austrocknen oder Durchfrieren sterben sie ohnehin. Der Besatz zerstört damit die vorhandene Lebensgemeinschaft und tötet zugleich die Tiere, die ihn ersetzen sollten.
Was der gesetzliche Schutz bedeutet
Naturnahe Stillgewässer stehen samt Ufer, uferbegleitender Vegetation und Verlandungsbereich unter dem Schutz des Bundesnaturschutzgesetzes. Das gilt ohne Verordnung, ohne Ausweisung und ohne Schild am Weg. Verboten sind alle Handlungen, die zur Zerstörung oder zu einer erheblichen Beeinträchtigung führen können. In Bayern nennt das Landesrecht Tümpel und Kleingewässer zusätzlich beim Namen.
Der Schutz hängt allerdings am Zustand, und das ist die Kehrseite. Nach den amtlichen Kartierhilfen fällt ein Stillgewässer nur darunter, solange seine Ufer überwiegend unverbaut und frei von intensiver Nutzung sind, wobei Freizeitnutzung ausdrücklich dazuzählt, und wenn Verlandungsvegetation zumindest in Ansätzen vorhanden ist. Wer ein solches Gewässer zur Angelstelle ausbaut, beseitigt nicht nur eine Nutzungsmöglichkeit, sondern den Schutzgegenstand selbst.
Was der Tümpel stattdessen trägt
Ein fischfreier Tümpel ist die wichtigste Kinderstube für Frösche, Molche und Libellen, weil dort niemand den Laich frisst. Genau das ist der Grund für den gesetzlichen Schutz.
Ein eingesetzter Karpfen oder ein paar Goldfische räumen einen solchen Bestand in einer Saison ab. Was danach fehlt, kommt nur langsam zurück.
Ohne Fische überlebt der Laich. Ein einziger Besatz kann das für Jahre beenden. AI-Bild
Ein Kleingewässer richtig einordnen
Wer unsicher ist, was vor ihm liegt, kommt mit fünf Prüfungen weit. Die letzte davon ist die wichtigste.
Ein Kleingewässer richtig einordnen
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Häufige Fragen zur Gewässerart Tümpel
8 FragenWas ist der Unterschied zwischen Tümpel, Weiher und Teich?
Die Wasserführung. Ein Tümpel trocknet regelmäßig aus, ein Weiher führt ganzjährig Wasser und hat keinen Ablass, ein Teich ist angelegt und lässt sich jederzeit leeren. Alle drei können gleich groß und gleich flach sein.
Warum leben in einem Tümpel keine Fische?
Aus zwei voneinander unabhängigen Gründen. Im Sommer fällt er trocken, und sehr flache Gewässer frieren im Winter bis zum Grund durch. Beides beendet einen Fischbestand, und beides gehört zum normalen Jahresgang dieses Gewässertyps.
Kann ich einen Tümpel besetzen, damit dort etwas schwimmt?
Fachlich ist das die schwerwiegendste Beeinträchtigung, die einem Kleingewässer zustoßen kann. Die Fische fressen Amphibienlaich und Wirbellose, trüben das Wasser und lassen die Unterwasservegetation zurückgehen. Dazu sind sie praktisch nicht mehr zu entfernen, und beim nächsten Austrocknen sterben sie ohnehin.
Was macht ein Tümpel so wertvoll?
Die Artenzahl auf kleinster Fläche. Stehende Kleingewässer nehmen höchstens ein Prozent der Landesfläche ein und beherbergen rund 5.300 Tierarten, also etwa 13 Prozent der deutschen Fauna. Viele davon stehen auf der Roten Liste.
Steht ein Tümpel automatisch unter Schutz?
Naturnahe Stillgewässer samt Ufer, Verlandungsbereich und Röhricht sind nach dem Bundesnaturschutzgesetz gesetzlich geschützt, ohne dass es dafür eine Verordnung oder ein Schild braucht. In Bayern nennt das Landesrecht Tümpel und Kleingewässer sogar ausdrücklich. Verboten sind Handlungen, die sie zerstören oder erheblich beeinträchtigen.
Kann ein Gewässer seinen Schutzstatus verlieren?
Ja, und das ist die Kehrseite. Der Schutz hängt am Zustand. Die Ufer müssen überwiegend unverbaut und frei von intensiver Nutzung bleiben, und Verlandungsvegetation muss zumindest ansatzweise vorhanden sein. Wer ein Kleingewässer zur Angelstelle ausbaut, beseitigt damit genau das, was geschützt war.
Was ist mit Hochwassertümpeln in der Aue?
Dort landen bei Überschwemmungen regelmäßig Fische, die beim Rückgang des Wassers eingeschlossen werden. Das ist ein natürlicher Vorgang und kein Bestand: die Tiere sterben, wenn die Senke austrocknet, oder sie gelangen beim nächsten Hochwasser zurück in den Fluss.
Wo darf ich stattdessen angeln?
An jedem Gewässer, für das ein Bewirtschafter eine Erlaubnis ausgibt. Wer die kleine Variante sucht, ist am Weiher oder am Vereinsteich richtig. Beide führen ganzjährig Wasser und tragen einen bewirtschafteten Bestand.
Quellen und Stand
4 Quellen-
Landschaftspflegekonzept Bayern, Band II.8: Stehende Kleingewässer Bayerische Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege. Die Definition über die periodische Wasserführung, die Artenzahl der Kleingewässer und die Einordnung des Fischbesatzes als schwerste Beeinträchtigung.
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Die Kleingewässer: Ökologie, Typologie und Naturschutzziele (2005) LWL-Museum für Naturkunde, Münster. Temporäre Gewässer und die Aussage, dass sehr flache Gewässer im Winter bis zum Grund durchfrieren und sich dort keine Fische dauerhaft ansiedeln können.
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§ 30 Bundesnaturschutzgesetz: Gesetzlich geschützte Biotope Bundesministerium der Justiz. Grundlage für den pauschalen Schutz naturnaher Binnengewässer samt Ufern und Verlandungsbereichen.
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Bestimmungsschlüssel für Flächen nach § 30 BNatSchG Bayerisches Landesamt für Umwelt. Welche Stillgewässer unter den Schutz fallen und unter welchen Bedingungen eine intensive Nutzung ihn entfallen lässt.
Zuletzt geprüft am . Fischereirecht ist Landesrecht, verbindlich ist immer der Erlaubnisschein deines Gewässers.
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